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Orte zum Abschalten

  • 21. August 2026
Badende im Holzzuber auf der Bader Alm im Ibachtal
Bad im traditionellen Holzzuber
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Termine, Mails, Meetings, To-do-Listen, Überstunden – der Alltag kann häufig stressig sein. Umso wichtiger ist es, aus dem Hamsterrad auch mal auszusteigen. Im Schwarzwald gibt es viele besondere Rückzugsorte zum Runterkommen, vier davon stellen wir vor: ein Hängezelt zwischen Baumwipfeln, eine durchsichtige Kuppel zum Sternegucken, ein Klosterhaus zur inneren Einkehr und ein Wannenbad auf der Alm.

Text: Christine Weis

Natur(t)räume in Schiltach: Abhängen im Wald

Hängezelt im Wald im Heubachtal bei Schiltach
Foto: Chris Keller/Schwarzwald tourismus

Es gibt Menschen, die fliegen in ferne Länder, um möglichst weit weg von allem zu sein. Dabei gibt es hierzulande bei Schiltach einen Platz, wo das ebenfalls gelingen kann: In rund 30 Meter Höhe schwebt im Heubachtal ein Hängezelt. Unten plätschert Wasser, oben rauschen die Tannen. Dazwischen verbringen zwei Menschen eine Nacht im Himmelbett. Los geht es bodenständig: Die Gäste werden am Parkplatz abgeholt, wandern einen steilen Pfad hinauf zur Einstiegsplattform und bekommen dort erstmal eine sorgsame Einweisung. „Häufig sind die Gäste aufgeregt, wir lassen ihnen Zeit, die Herausforderung kennenzulernen, erklären alles, dann entstehen Ruhe und Begeisterung“, erzählt Gastgeber Stefan Wurft.

„Das hier ist ein Ort, wo man die Natur ganz anders erleben kann – und auch sich selbst.“ – Stefan Wurft

Es gibt einige Regeln und eine Packliste zu beachten. Sobald das Zelt von der Verankerung gelöst wird, schweben die mit Komplettgurten gesicherten Gäste darin hinaus in den Wald. „Das hier ist ein Ort, wo man die Natur ganz anders erleben kann – und auch sich selbst“, sagt Stefan Wurft. Zusammen mit seiner Frau betreibt der 43-Jährige das Hängezelt unter dem Label „Natur(t)räume“ seit 2017 als Hobby. Hauptberuflich arbeitet er als Maschinenbauer beim Messtechnikunternehmen Vega. Die Zeltkonstruktion hat er ausgetüftelt, auch die Schutzhütte sowie das Toilettenhäuschen sind Marke Eigenbau. „Alles wird jährlich von einer Baumgutachterin und einem technischen Gutachter auf Herz und Nieren geprüft“, betont er. Als Verpflegung gibt einen gefüllten Vesperkorb und eine Thermoskanne mit heißem Wasser für Tee und Kaffee zum Frühstück.

Bubble Tent in Todtmoos: Sterne beobachten vom Bett aus

Bubble Tent im Wald in Todtmoos
Foto: Bubble Tent

Es sieht fast so aus, als käme es von einem anderen Stern: Das Bubble Tent wirkt wie eine riesige Seifenblase, die auf der Erde gelandet ist, ohne zu zerplatzen. In der transparenten Kuppel sind die Gäste vor Wind und Wetter sicher und haben dennoch freie Sicht auf die Natur und den Horizont. Erfunden wurde das ungewöhnliche Zelt im Jahr 2022 vom Nürnberger Unternehmer Markus Matthes. „Das Konzept kommt an“, sagt Finn Wilkesmann, Geschäftsführer des Buchungsportals Book a Bubble. Mittlerweile gibt es rund 40 Standorte in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Frankreich, darunter mehrere in Südbaden, etwa in Elzach, Furtwangen, Gutach, Sasbach und am Silbersee in Freiburg.

„Ich bin draußen, liege geschützt in einem gemütlichen Bett und habe das Gefühl, in einer anderen Welt zu sein.“ – Finn Wilkesmann

Neu hinzugekommen ist in diesem Sommer ein Bubble Tent im Todtmooser Ortsteil Schwarzenbach, ausgestattet mit Doppelbett, Ventilator und einem Teleskop für den Blick nach oben. Nebendran gibt es eine Gartenlaube, eine Feuerstelle und einen Grill für die Stunden außerhalb der Blase. Gastgeberin in Todtmoos ist Aleksandra Klosok-Wofford von der Pension Sternen, wo auf Wunsch Frühstück und Abendessen serviert werden. Dass man von hier aus besonders gut Sterne beobachten kann, beweist auch eine vor einigen Jahren von Hobby-Astronomen gebaute Sternwarte. „Todtmoos bringt etwas mit, das heutzutage selten geworden ist: den klaren, ungetrübten Blick in den Nachthimmel“, sagt Finn Wilkesmann und beschreibt den Reiz des Bubble Tents: „Ich bin draußen, liege geschützt in einem gemütlichen Bett und habe das Gefühl, in einer anderen Welt zu sein.“

Bader Alm in Oppenau: Entschleunigen im Zuber

Badende im Holzzuber auf der Bader Alm im Ibachtal
Foto: Bader Alm

Das rot weiß gestreifte Hemd reicht bis zu den Knien, auf dem Kopf sitzt eine weiße Haube. So steigen die Gäste auf der Bader Alm bei Oppenau in einen Holzzuber unter freiem Himmel. Das warme Wasser darin schimmert durch die Fichtennadelessenz grün und duftet nach Wald. Zum rund eineinhalbstündigen Ritual gehören Salzpeeling und Kreidemaske. Nach dem Bad gibt es ein über dem offenen Feuer zubereitetes Abendessen. Im Hühnerstall, Schweineschober oder Bienenhaus, die zu rustikalen Unterkünften umgebaut wurden, übernachten die Badenden. „Hier tickt die Uhr langsamer“, sagt Marian Bosch. „Viele Menschen stehen heute unter Termindruck. Alles soll möglichst schnell gehen. Bei uns können sie für ein paar Stunden aus diesem hektischen Rhythmus aussteigen.“

„Bei uns können sie für ein paar Stunden aus diesem hektischen Rhythmus aussteigen.“ – Marian Bosch

Geschaffen hat die Bader Alm sein Vater Reinhard Bosch, alias Fritz Bader. Der heute 64-jährige Masseur leitete viele Jahre Wellnessbereiche in Schwarzwälder Sternehotels. Vor 16 Jahren tauschte er die modernen Wellnesstempel gegen ein altes Gehöft auf einem abgelegenen Weiler im Ibachtal. Der Freudenstädter wollte zurück zum Ursprünglichen, zur Natur und zum Bad in der Wanne. Die historische Bausubstanz blieb erhalten, entstanden ist ein kleines Dorf mit musealem Charakter. Seit 2024 führt Marian Bosch den Betrieb. Der Koch und Gastronom hat die Badekunst von seinem Vater gelernt. „In früheren Zeiten sorgten Bader nicht nur für Körperpflege, sondern behandelten auch Krankheiten“, erzählt der 32-Jährige. Ihr Ziel sei Entschleunigung, Ruhe und Erholung in unberührter Natur.

Haus La Verna in Gengenbach: Atem schöpfen auf dem Berg

Haus La Verna auf dem Abtsberg in Gengenbach
Foto: Sr. Angelika

„Jedes Mal, wenn ich vom Mutterhaus hinauf nach La Verna auf den Abtsberg komme, atme ich tiefer ein und aus. Das liegt an der Natur und der besonderen Atmosphäre dieses Ortes“, sagt Schwester Michaela Bertsch, Generaloberin der Franziskanerinnen in Gengenbach. La Verna liegt gut eine halbe Stunde Fußweg vom Kloster entfernt auf einer Anhöhe mit Blick über das Kinzigtal. Die Domäne hat eine lange Geschichte, die bis ins 18. Jahrhundert reicht. Zuletzt bewirtschafteten die Franziskanerinnen hier einen Bauernhof, ehe die Gebäude Ende der 1990er-Jahre zu einem Seminar- und Tagungshaus umgebaut wurden.

„Hier können die Menschen zur Ruhe kommen und wieder Kraft schöpfen.“ – Schwester Michaela Bertsch

Seinen Namen verdankt La Verna dem gleichnamigen Wallfahrtsort des Heiligen Franz von Assisi in der Toskana. Die spektakulär auf einem Kalksteinfelsen gelegene Klosteranlage gilt als Sinnbild für Rückzug, Naturverbundenheit und innere Einkehr. Dafür steht auch La Verna auf dem Abtsberg. „Hier können die Menschen zur Ruhe kommen und wieder Kraft schöpfen“, sagt Schwester Michaela Bertsch. Die Gäste übernachten in schlichten Zimmern, Apartments oder einer Ferienwohnung. Es gibt Gottesdienste, Prozessionen, Kurse und Veranstaltungen, etwa Pilgern oder auch eine spirituelle Weinprobe mit gemeinsamem Brotbacken. Und dann sind da noch die Wege. Sie heißen Trimm-Dich-Pfad für die Seele, Sonnengesang- oder Engelsweg und führen durch Wald und Rebhänge. Dabei geben Texttafeln und Skulpturen Impulse zum Nachdenken – und vielleicht machen diese Art von Haltepunkten es auch möglich, wieder tiefer ein- und auszuatmen.

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