Sick: Vernetzt in die Zukunft

Das Unternehmen Sick, mit Hauptsitz in Waldkirch, baut in Buchholz ein Kompetenzzentrum. Der weltweit agierende Sensorhersteller investiert damit in seine betriebseigene Aus- und Weiterbildung, setzt auf neueste Technologien, moderne Arbeitsmethoden und die Natur.

Von Anna-Lena Gröner

Selbst die größten Bauprojekte beginnen immer mit derselben kleinen Geste: dem Ritual des Spatenstichs. Am 10. September sind es zehn Damen und Herren, die mit weißen Bauhelmen und Schaufeln für die Kameras posieren und mit diesem nicht tot zu kriegenden Bild den Beginn des Baus der neuen Sick Akademie einläuten. Im Park von Schloss Buchholz errichtet die Sick Glaser GmbH (ehemals Sick Stiftungs GmbH) für rund 19 Millionen Euro ein Schulungsgebäude, das nach der Fertigstellung an die Sick AG vermietet werden soll.

Bereits 2016 hatte Gisela Sick, Ehefrau des verstorbenen Unternehmensgründers Erwin Sick, das 1,3 Hektar große Grundstück erworben, zu dem auch das 260 Jahre alte Schloss gehört, das man ebenfalls mit dem Neubau der Akademie langsam aus seinem Dornröschenschlaf wecken möchte. Der Neubau der „Sensor Intelligence Academy“ (SIA) sei eine „zukunftsweisende Investition“, so Tochter Renate Sick-Glaser, Geschäftsführerin der Sick Glaser GmbH, über das Projekt. Die SIA wird zukünftig das gesamte Fortbildungsprogramm des weltweit agierenden Sensorherstellers zentral organisieren und sowohl den eigenen Mitarbeitern als auch den Kunden, die zu 80 Prozent aus dem Ausland stammen, Schulungen und Weiterbildungen ermöglichen.

Man reagiert mit dem Neubau auf neue Anforderungen und möchte gleichzeitig die bisher großen administrativen Aufwände und die damit verbundenen finanziellen Investitionen kleiner halten. Wo früher etliche Tagungsräumlichkeiten auf alle Standorte verteilt und teures Trainingsgerät national wie international versandt wurde, schafft Sick mit dem Neubau in Buchholz einen Ort, an dem alles zusammen kommt: 150 Schulungsplätze mit modernster Ausstattung, ein Showroom, der die neuesten Anwendungen der Produkte virtuell und real präsentiert, eine „Smart Factory“ Industrie 4.0 mit einer miniaturisierten Produktionsanlage, an der praxisgetreu mit den Produkten gearbeitet und der Einsatz live getestet werden kann, ein lichtdurchflutetes Auditorium mit rund 120 Sitzplätzen für Informationsveranstaltungen sowie flexibel gestalt- und kombinierbare IT-Trainingsräume.

Verantwortlich für die Planung des neuen Kompetenzzentrums ist die KTP Generalplaner GmbH aus Ostfildern. Mit der Realisierung des Bauwerkes wird die Ganter Interior GmbH aus Waldkirch als Generalunternehmer beauftragt. Glas und Holz sind die Hauptbaumaterialien, das diktiert fast schon die moderne Architektur. Beinahe selbstverständlich klingen die Schlagworte zum Thema Nachhaltigkeit des Sick-Neubaus: Photovoltaikanlage, Blockheizkraftwerk sowie Lüftungen mit Wärmerückgewinnung. Auch der Schlosspark wird umgestaltet und soll dabei einen „inspirierenden Rahmen“ bilden. Die Mitarbeiter sollen Kreativität schöpfen aus der Natur.

Live zugeschalten, statt vor Ort

Die neue Sick Akademie ermöglicht es, neue Trainings- und Workshopkonzepte besser umzusetzen. „Künftig bieten wir zum Beispiel Training-Workshops an, bei denen die Entwickler unserer Kunden von den Sick-Experten die Produkte direkt in der Applikationsumgebung kennenlernen und im Wechsel dazu auch die theoretischen Inhalte erfahren“, sagt Nico Zimmermann, Leiter der SIA. Dazu muss der Kunde nicht einmal mehr eine lange Anreise in Kauf nehmen. Modernste Schulungstechnik und Networking-Technologie ermöglichen beispielsweise eine Live-Übertragung von Workshops und Trainings an alle Sick-Standorte der Welt. Raummikrofone und das Zeichnen auf einem gemeinsamen virtuellen Flipchart erhöhen das Gefühl, dass man trotz vieler Kilometer Distanz direkt beisammen sitzt.

Trotzdem bliebe der Fokus darauf, die Trainingsteilnehmer immer direkt am Produkt zu schulen, so Zimmermann. In der Smart Factory, die im Erdgeschoss der neuen Akademie entsteht, werden verschiedene Szenarien wie Förderbandanlagen, Roboterzellen oder autonome Fahrsysteme miniaturisiert abgebildet. Ob Face to Face Trainings, E-Learnings oder Virtual Reality Trainings – die SIA in Buchholz soll alle Konzepte als zentrale Einheit des Unternehmens in Zukunft weiter entwickeln und auch den anderen Sick-Standorten verfügbar machen. „Dies wird langfristig zur Folge haben, dass wir weitere SIA Satelliten, sowohl in Form von organisatorischen Einheiten als auch infrastrukturtechnisch international aufbauen werden“, sagt Zimmermann. Vernetzt bleiben, um gemeinsam voranzukommen – für Sick das Erfolgsrezept für die Zukunft.

Der richtige Umgang mit den Tools, den virtuellen Netzwerken und der Kommunikation sei dabei genauso wichtig, wie die eigenen Mitarbeiter stets über Produkterneuerungen auf dem Laufenden zu halten. Zudem müssen die sprachlichen Hürden beim weltweit vernetzten Arbeiten künftig besser bewältigt werden. „Dieser Herausforderung kommen wir als SIA bereits nach und bieten seit Juni virtuelle Sprachkurse an, bei denen sich unsere Mitarbeiter in sieben Zielsprachen rund um die Uhr, auch von zu Hause aus, via Tablet, Smartphone oder Laptop und Headset weiter qualifizieren können“, sagt Zimmermann.

Die Veränderungen der Arbeitswelt bestimmen die Inhalte der Aus- und Weiterbildungen der SIA. Ihre Aufgabe wird es auch in Zukunft sein, auf diese Veränderungen einzugehen und immer up to date zu bleiben. Dazu gehöre zum einen, die eigenen Führungskräfte im Bereich „Changemanagement“ zu schulen, zum anderen müsse man die Aspekte von Cyber Security in Softwareentwicklungen oder Geschäftsmodelle wie die Blockchain immer auf dem Schirm haben, die Mitarbeiter für diese Themen sensibilisieren und die eigenen Entwickler weiterbilden. Dank dem SIA Solution Management würden die Trainingsbedarfe in den Unternehmenseinheiten erfasst und dank Consultants, Managern und externen Dienstleistern daraus neue Trainings entwickelt werden.

Doch wenn keine Zeit zum Entwickeln bleibt, muss es schnell gehen mit der Weiterbildung. Genauso, wie man als Privatperson in diesem Fall meist Google zu Rate zieht und sich kurz darauf ein hilfreiches YouTube Video reinzieht, genauso einfach sollte man auch in größeren Unternehmen schnell an Informationen gelangen. Auch diesem Thema, dem sogenannten „Performance Support“, widmet man sich beim Sensorhersteller und möchte das in Zukunft noch intensivieren. „Wir bieten hierzu spezielle Software-Tool-Lösungen oder Kommunikationsplattformen an, um das Thema Social Collaboration Learning, also das Lernen aus und in der Community, auch bei Sick zu etablieren.“ Der 7.620 Quadratmeter große Neubau für die „Sensor Intelligence Academy“ von Sick soll Ende 2019 fertig werden. Damit schafft das Unternehmen Sick einen Ort, an dem noch effizienter, zukunftsorientierter und damit wettbewerbsfähiger gearbeitet werden kann.