VdU – Caroline Eichin: „Karrierefrau, das höre ich oft“

Caroline Eichin ist Wirtschaftsprüferin und Steuerberaterin und als solche auch Gesellschafterin der deutschlandweit tätigen Bansbach-Gruppe.

Aus Frankfurt zurück nach freiburg, vor allem wegen der Natur: Caroline Eichin (Foto: Alexander Dietrich)

Mit Zahlen kennt sich Caroline Eichin aus, das ist als Wirtschaftsprüferin und Steuerberaterin ja auch ihr Job. Aber, und das Image ob des von manchem als spröde bezeichneten Berufszweigs spricht sie gerne an, es gehe eben um mehr als Zahlen und Paragrafen. „Nur mit Zahlen lernt man ein Unternehmen nicht kennen“, betont die 42-Jährige beim Treffen in der Freiburger Niederlassung der Bansbach GmbH. Seit neun Jahren ist sie hier als Wirtschaftsprüferin und Steuerberaterin tätig, seit zwei Jahren ist sie auch Gesellschafterin der Unternehmensgruppe. Um einen Konzern und seine Buchhaltung sowie Jahres- und Konzernabschlüsse richtig prüfen zu können, will sie wissen, wie etwas warum passiert, und am besten auch noch wo. Dass sie dafür auch mal mit einem Geschäftsmann aus dem Maschinenanlagenbaubereich nach Indien fliegt, um ihn beim Kauf eines Tochterunternehmens zu beraten, gehört dann eben genau so zum Job wie die Schreibtischarbeit und das Herausziehen von Aktenordern aus Büroschränken. „Projekte wie jenes mit Indien, wo es um Veränderungen bei Unternehmen geht, das sind die spannendsten“, hebt Caroline Eichin hervor.

Ihren eigenen Werdegang könnte man quasi auch als Projekt bezeichnen, das schon lange erfolgreich läuft. Als Tochter eines Steuerberaters mit eigener Kanzlei, in der auch die Mutter arbeitete, verdiente sie sich schon in den Schulferien auch mit kleinen Hilfsarbeiten damals schon ein paar Mark dazu. „Ich war also gewissermaßen vorgeprägt, aber geplant war mein Werdegang dahingehend nicht“, blickt sie zurück. Nach ihrem Abitur ging es für ein Jahr nach Paris und anschließend fürs BWL-Studium nach Mannheim. Danach begann sie als Assistentin bei einer mittelständischen Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in Frankfurt an ihrer Karriere zu arbeiten. Nach zehn Jahren in der Main-Metropole und dem Absolvieren des Steuerberater- und anschließenden Wirtschaftsprüfer-Examens sehnte sich die begeisterte Sportlerin, die unter anderem Leistungsschwimmen und Triathlon betrieb, nach der Heimat. Im Breisgau und Schwarzwald lässt es sich in grüner Umgebung eben besser Laufen und Mountainbiken (Eichins große Leidenschaften, wofür sie nicht allzu viel Zeit hat) als in der 740.000-Einwohner Stadt mit Hochhäuser-Skyline. „Ich wollte wieder zurück und das war ein Hauptgrund.“

Nach diesem Entschluss fand sie 2010 in der Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft Bansbach einen interessanten Arbeitgeber. Eichin arbeitete sich nach oben. Ihre Mandanten kamen und kommen vor allem aus der mittelständischen Wirtschaft, dort meist aus dem Maschinen- und Anlagenbau oder weiteren produzierenden Unternehmen sowie auch dem öffentlichen kommunalen Bereich. „Im Grunde findet sich bei uns ein Spiegelbild der lokalen Wirtschaft“. Von der Wirtschaftsprüferin und Steuerberaterin im Angestelltenverhältnis wurde sie erst zur Partnerin und entschloss sich vor zwei Jahren schließlich, als Gesellschafterin in die Unternehmensgruppe einzusteigen, für die an acht Standorten in Deutschland insgesamt 300 Mitarbeiter tätig sind. 23 Gesellschafter (darunter vier Frauen) hat Bansbach insgesamt.

Die Niederlassung in Freiburg, die Eichin gemeinsam mit Co-Gesellschafter Hanns-Georg Schell leitet, ist mit derzeit 45 Mitarbeitern die größte in der Unternehmensgruppe neben dem Stammsitz in Stuttgart – und sie wird weiterwachsen. „Wir ziehen im nächsten Jahr ein paar Meter weiter in das neu entstehende sogenannte Milestone 2-Gebäude“, erklärt die Unternehmerin beim Gespräch in der Heinrich-von-Stephan- Straße. Die Planung dafür beansprucht zusätzliche Zeit, die bei der gebürtigen Freiburgerin ziemlich eng getaktet sein muss. Eichin sitzt noch im Aufsichtsrat des Bauvereins Breisgau, hält hier und da Vorträge und leitet als ehrenamtliche Richterin am Freiburger Landgericht hin und wieder auch noch Prozesse, wenn Steuerberater vor Gericht stehen. „Jede freie Minute nutze ich, um Laufen zu gehen oder aufs Mountainbike zu steigen, gerne auch für eine gemeinsame Tour mit meinem Freund.“

Seit einem Jahr verbringt sie ihre Zeit zudem auch gerne im VdU (Verband deutscher Unternehmerinnen). Durch Artikel in netzwerk südbaden und einem Infostand beim Mittelstandskongress auf den weiblichen Verband aufmerksam geworden, war Eichin nach dem Besuch eines Kennenlerntermins „direkt hin und weg, das war einfach eine ganz andere Atmosphäre unter Frauen“. Seither schätzt sie vor allem den Austausch unter den Unternehmerinnen aus verschiedenen Branchen und den Mehrwert, den die regelmäßigen Veranstaltungen wie etwa Betriebsbesichtigungen bieten. „Hinter Kulissen blicken zu können, das finde ich toll.“

Austausch, Herzlichkeit, Freundschaften sind drei Begriffe, mit denen sie den VdU beschreibt. Dass sie selbst als Karrierefrau beschrieben wird, „das höre ich oft“, sagt sie. Ob sie sich selbst so bezeichnen möchte, das lässt sie offen. Negativ behaftet sei der Begriff für sie jedenfalls nicht. Caroline Eichin beschreibt sich aber lieber selbst mit dem kurzen Satz „Ich weiß, was ich machen möchte“.

Text: Daniel Ruda