Von Fairtrade zu Bio

Der Freiburger Jörg Volkmann weiß um Sinn und Unsinn vom Biohandel mit Kaffee – als ehemaliger Berater der Entwicklungshilfe betreibt er heute eine Rösterei mit Café.

Von Stephan Elsemann

Mit der Bio-Qualität von importierten Lebensmitteln verhält es sich – anders als beim ökologischen Landbau in der Nachbarschaft – wesentlich komplizierter. Kaffee ist ein gutes Beispiel dafür, denn er wird aus Ländern mit unterschiedlichsten wirtschaftlichen, politischen und geographischen Verhältnissen importiert.

Jörg Volkmann kennt und beobachtet die Verhältnisse persönlich seit vielen Jahren. Er war viele Jahre als Berater in der Entwicklungshilfe tätig, im Ursprungsland des Kaffees, in Äthiopien, bevor er seinen Beruf wechselte und aus Liebe zum Kaffee Röster wurde. Volkmann eröffnete vor sechs Jahren in Freiburg eine Kaffeerösterei und ein Café, das „Elephant Beans“. Noch heute verbringt er viel Zeit damit, in Äthiopien und Indien Kaffeefarmer zu besuchen. Als er vor sechs Jahren sein Geschäft gründete, hatte Fairtrade Priorität vor zertifizierter Bio-Qualität: Seine Kaffeefarmer sollten einen fairen Preis erhalten statt viele tausend Euro für die Anerkennung als Bio-Betrieb zu bezahlen. Bei Elephant Beans wird der Fairtrade-Einkauf weiter hochgehalten. Volkmann zahlt beim Einkauf für seinen Rohkaffee wie gehabt rund ein Drittel über den Fairtradepreis hinaus.

Jörg Volkmann von „Elephant Beans“ in Freiburg. Foto: Stephan Elsemann

 

Doch heute, sechs Jahre später, ist das Gesamtbild beim Kaffeeimport differenzierter. Zusammen mit zehn anderen Röstern in Europa hat sich Volkmann zu einem Verband, den „Roasters United“ zusammengeschlossen. Arbeitsteilig kümmern sie sich um den Import von Rohkaffee aus verschiedenen Ländern. Damit die Mitglieder von „Roasters United“ ihren Kaffee untereinander tauschen können, muss jedes Mitglied als Bio-Rohkaffeehändler anerkannt sein, und so wird auch Volkmann seinen Rohkaffeehandel biozertifizieren lassen.

Die Regeln für den Handel sind streng. „Wenn ich Bio-Kaffee importiere, und selber nicht bio-zertifiziert bin, so verliert der Bio-Kaffee ab dem Moment, wo er mir gehört, seine Bio-Zertifizierung. Sobald der Bio-Kaffee meinen Laden wieder verlässt, ist er schon nicht mehr bio. Ich muss ihn nicht einmal angefasst haben“. Der immense bürokratische Aufwand, der dem Biohandel von der EU-Verordnung abgefordert wird, gewinnt satirische Züge, wenn man betrachtet, wie locker es beim Prüfen der Bioqualität des Rohkaffees in den Produktionsländern zugeht. Zwar sind die Zertifizierungsdienstleister auch vor Ort in den Entwicklungsländern tätig. Anders als hierzulande werden in den weitläufigen Ländern mit Kaffeeanbau wie Indien oder Äthiopien nicht einzelne Farmen biozertifiziert, sondern Kooperativen von Kaffeebauern. Einzelne Bauern könnten sich die Zertifizierungen nicht leisten.

Solche Gruppenzertifizierungen umfassen die gesamte Fläche einer Kooperative und bleiben deshalb bezahlbar für den einzeln Farmer. Kontrolliert wird stichprobenartig, etwa „von 400 Farmen nur 20“, hat Volkmann beobachtet. Teilweise sind die „Farmen nur nach drei Tagen Fußmarsch zu erreichen“, eine lückenlose Kontrolle wie in Deutschland ist daher gar nicht umsetzbar. Zumal nur wenige Kontrolleure vor Ort tätig sind, im riesigen Äthiopien „nur eine Handvoll, was kann da schon gemacht werden?“

Kosten und Ansprüche laufen dabei weit auseinander, denn die „Verbraucher wollen zwar Bio-Qualität“, sagt Volkmann, „sind aber nur in sehr beschränktem Umfang bereit, mehr dafür zu bezahlen“. Würde so streng kontrolliert wie beim Bio-Bauern nebenan, könnte man den Kaffee nicht mehr verkaufen. Volkmann sieht es nüchtern: „Letztlich wird das Instrument der Bio-Zertifizierung ja zur Vermarktung benutzt. Es ist ein Marketing-Instrument, das Vertrauen schaffen soll.“ Und trotz des skeptischen Blicks auf die Zertifizierungpraxis in Entwicklungsländern, hat Volkmann Vertrauen zu seinem importierten Bio-Kaffee. Denn er hat bebachtet und setzt darauf, dass sich Kaffee-Farmer innerhalb der Kooperativen gegenseitig kontrollieren. Nach seiner Erfahrung funktioniert das ganz gut. Denn wenn einzelne Bauern zu ihrem Vorteil von den Bio-Regeln abweichen, spricht es sich schnell herum und wird dann intern geahndet.

Außerdem: in einem so armen Land wie Äthiopien ist kein Geld für Spritzmittel vorhanden. Der Kaffee ist bio von Natur aus, „organic by nature“ wie es im äthiopischen Kaffeehandel werbewirksam heißt. Und doch: Volkmann und seine Kollegen von „Roasters United“ werden ihren Rohkaffee jetzt auf Pestizidrückstände kontrollieren lassen. Ein Bericht der „tageszeitung“ im Februar hat sie aufgeschreckt – darin kamen erhebliche Probleme bei der Bio-Kontrolle von Rohkaffee zur Sprache.

Kaffee vor der Röstung und danach. Foto: Stephan Elsemann

 

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