VdU: Damit man das Feuer sieht

Tamara Schätzle hat im Alter von 25 Jahren bereits den Meisterinnenbrief im Holzofenbau in der Tasche und macht sich gerade daran, den elterlichen Betrieb zu übernehmen. Von einer, bei der es schnell gehen muss.

Von Daniel Ruda

Vorne links im Showroom steht ein Kachelofen. Er versprüht Traditionelles und kommt gleichzeitig mit modernem Design daher: Die Ecken künstlerisch geschwungen und das Herz des Ofens eine gläserne Feuerstelle mit zwei großen „Sichtfenstern, damit man die Flammen deutlich sieht“, erklärt Tamara Schätzle den Hauptbestandteil von modernen Öfen und Kaminen.

Die 25-Jährige ist Meisterin im Ofen- und Luftheizungsbau und jener Hybrid-Ofen ein Eigenentwurf, so wie viele andere Varianten, die in der neuen Firmenzentrale von Schätzle Ofenbau auf dem Freiburger Güterbahnhofareal zu sehen sind. „Jeder Ofen, den wir entwerfen, ist individuell“, sagt die Junior-Chefin beim Gesprächstermin, der vor der Öffnungszeit stattfinden muss.

Die Eltern, mit denen sie das gut laufende Geschäft zusammen leitet, sind gerade in Urlaub, die organisatorischen To-Dos im Büro interessiert das nicht. „Gerade ist es etwas stressig.“ Ohne die Eltern auskommen: Vater Ralf, der den Betrieb vor mehr als 30 Jahren gegründet hat, und Mutter Birgit, den „unersetzlichen Kern im Büro“, darauf läuft es hier auf lange Sicht hinaus.

Die Tochter soll, nein, will, den Betrieb übernehmen und weiterführen. „Für mich war das eigentlich schon immer klar“, erzählt Tamara Schätzle. Ihren Eltern machte sie ihren Wunsch aber erst nach einem Auslandsjahr in Chile im Anschluss an den Realschulabschluss so richtig klar. Sieben Jahre ist das nun her. Seither hat sie beim Vater eine Ausbildung absolviert und anschließend direkt den Meisterinnenbrief gemacht.

Mit der Meisterschule fing sie schon an, da hatte sie ihren Gesellenbrief noch nicht offiziell in den Händen. Eigentlich war geplant, erst einmal zwei oder drei Jahre im Beruf zu arbeiten, doch der angekündigte Rückzug eines besonders geschätzten Lehrers, der die Fachregeln schrieb und nur noch eine letzte Klasse auf dem Weg zum Meisterbrief betreute, beschleunigte alles.

„Das musste bei mir dann einfach sehr schnell gehen.“ Vor drei Jahren bestand sie die Prüfung zur Meisterin. Eine anstrengende Zeit, kommt doch hinzu, dass man sich als Frau in einem traditionellen handwerklichen Beruf durchaus ein „dickes Fell“ aufbauen sollte. „Das gehört wohl dazu.“ Auch im Betrieb wuchsen ihre Aufgaben schnell. Die meiste Zeit ihrer Arbeit verbringt Tamara Schätzle mit „Beratung, Planung und Verkauf“ der im Schnitt zwischen 15.000 und 22.000 Euro teuren Öfen und Kamine in Freiburg im Büro und 150 Quadratmeter großen Showroom auf dem Freiburger Güterbahnhofareal, wo Schätzle Ofenbau seit September 2018 seinen neuen Firmensitz hat.

Hinzu kommt das Feld der Outdoor-Küchen und Grillstationen, mit dem das Unternehmen das anstehende Sommergeschäft bestreitet. Der Umzug von Freiburg-Zähringen, wo man sich Räume mit einem Küchenstudio teilte, ist auch der Hauptgrund, warum Vater und Chef Ralf Schätzle noch zwei bis drei Jahre weiter im Alltagsgeschäft tätig sein wird.

Eigentlich wollte er sich Ende des Jahres mit seinem 60. Geburtstag zurückziehen. Das große Lager und die Werkstatt der Firma stehen bislang noch in Waldkirch am Ursprungsort des Unternehmens. Gewerkelt wird ohnehin vor allem auf Baustellen, vier Angestellte arbeiten für Schätzle Ofenbau – darunter auch der Partner von Tamara Schätzle. „Wenn ich einen Ofen geplant habe, bin ich zu Beginn auch immer auf der Baustelle dabei“, erzählt die Junior-Chefin, die über kleinste Details von Holzöfen, Gas- oder Elektrokaminen referieren kann und offen mit ihrer Legasthenie umgeht.

„Ich hatte noch nie das Gefühl, dass diese Schwäche mich wirklich behindert“, so die Jungunternehmerin, die kürzlich mit einer zweijährigen kaufmännischen Zusatzausbildung begonnen hat. Emails lässt sie vor dem Abschicken einfach durch ein Rechtschreibprogramm laufen oder von der Mutter gegenlesen. Schätzle ist in Südbaden das jüngste Mitglied des VdU (Verband deutscher Unternehmerinnen).

Eine Einladung zum sogenannten „Interessentinnen-Tag“ vor etwas mehr als einem halben Jahr weckte das Interesse der in Freiburg lebenden jungen Frau. Vom Hereinschnuppern war sie direkt begeistert („vom ersten Abend habe ich da schon Lösungen für Probleme mitgenommen“) und entschied sich für eine Mitgliedschaft.

„Die Atmosphäre bei den Treffen ist immer schön, es wird sehr offen untereinander gesprochen“, erzählt Schätzle und betont, dass es neben dem Netzwerken durch Informationsabende oder Schulungen auch wirkliche praktische Nutzen für den Arbeitsalltag gibt. Freundlich, offen, nützlich sind dementsprechend auch die Stichworte, die ihr zum VdU direkt einfallen. „Die Strukturen sind einfach klar, und man weiß beim VdU, wo es hin geht.“

www.ofenbau.com