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Christian Steiger: „Es gilt nur das Kundenbedürfnis“

  • 28. September 2026
Christian Steiger
Foto: Jigal Fichtner
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Christian Steiger, Geschäftsführer von Lexware, verrät einen Rat, der ihm seit jeher bei der Entwicklung neuer Ideen hilft und der im KI-Zeitalter immer mehr an Bedeutung gewinnt.

„Unser Motto bei Lexware ist: Unternehmertum einfach machen. Man weiß jedoch nie, welches Produkt bei Kundinnen und Kunden ankommt. Deshalb muss man in möglichst kurzen Intervallen an den Markt und immer wieder lernen. Gerade im KI-Zeitalter gilt das mehr denn je. Heute kann man in kurzer Zeit einen funktionierenden Prototyp bauen. Früher war dafür ein großes Team nötig, jetzt kann das eine One-Person-Show sein. Dadurch bekommt ,einfach machen‘ sowohl für uns als auch für die Kundinnen und Kunden eine völlig andere Dimension. Ob das gut oder schlecht ist, darüber kann man streiten. Aber es ist möglich und verändert Kundentests fundamental.

Dabei orientiere ich mich an einem wichtigen Rat, den ich früh in meiner Karriere aufgeschnappt habe – von wem genau, weiß ich nicht mehr. Er lautet: Es gilt nur das Kundenbedürfnis. Klingt banal, ist es aber nicht. Man kann großartige Technik bauen, aber oft ist es ein Glückstreffer, ob sie irgendjemand wirklich braucht. Wichtig ist, dass man sich nicht an einer Idee festbeißt. Ich sage immer: Don’t fall in love with your prototype. Wenn etwas nicht ankommt, muss man eben nochmal neu beginnen. Sicherheit gibt es bei Innovationen nie, aber man kann das Risiko zu scheitern reduzieren, indem man sich konsequent die Frage stellt, ob man wirklich ein Bedürfnis erfüllt und damit ein vorhandenes Problem löst. Und macht man das mit KI oder anderer neuer Technologie besser als bisher? Ich habe selbst erlebt, wie man an einem Bedürfnis vorbei entwickeln kann, nur weil man selbst eine Idee toll findet, weil etwas technisch möglich ist oder weil eine Marktanalyse vermeintlich dafür spricht.

Während meines Studiums habe ich Musik produziert und damit auch Geld verdient. Das war mein erster Berührungspunkt mit den Interessen der Menschen. Später war ich überzeugt, dass Livestreaming der Hit ist. Damit hatte ich auch recht, wir waren nur deutlich zu früh. Ich war sehr technologiegetrieben, wir hatten einen Livestream-Encoder von Nokia, das war technische Avantgarde. Wir haben Live-Safaris gefilmt und von einem Segelschiff im Atlantik gestreamt. Bei einer Übertragung einer Bärengeburt in Kanada haben 40.000 Menschen zugeschaut. Damals eine unfassbare Zahl. Genau da liegt meine Lernerfahrung: Technische Machbarkeit ist nicht dasselbe wie das Kundenbedürfnis. Wir haben eine Lösung angeboten, ein Problem dazu gab es Anfang der 2000er-Jahre aber gar nicht. Heute beschäftige ich mich vorrangig mit den Bedürfnissen von Kleinstunternehmen. Es gibt so viel Software, in die endlos Geld gesteckt wird, die am Ende kaum jemand nutzt. Ich will lieber etwas entwickeln, von dem die Menschen sagen: Darauf habe ich gewartet!“

Protokoll: Julia Donáth-Kneer

Christian Steiger (53) ist seit 2019 Geschäftsführer von Lexware. Der gebürtige Freiburger studierte Informatik in Furtwangen. 1999 stieg er bei der Haufe Group ein, 2008 verließ er den Konzern und baute in Freiburg eine Plattform für Live-Streaming auf. Während seines Studiums produzierte er elektronische Musik, darunter den Kult-Soundtrack der Euro-Mir im Europa-Park sowie einzelne Tracks für die Café-del-Mar-Reihe, die bis heute weltweit zu haben ist. 2010 kehrte er zur Haufe Group zurück und startete die Cloud-Buchhaltung Lexware Office, ursprünglich Lexoffice – damals ohne einen einzigen Mitarbeitenden. Inzwischen sind über 500 Menschen bei Lexware angestellt, nach Unternehmensangaben nutzen mehr als 650.000 Unternehmen die Software und Lexware setzte im Geschäftsjahr 2025/26 innerhalb der Haufe Group rund 244 Millionen Euro um.

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