Die Spareinrichtung Bauverein Breisgau – Wo Minuszinsen unbekannt sind

KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERAÜber 130 Millionen Euro wird die Baugenossenschaft „Bauverein Breisgau eG“ bis 2019 in verschiedene Wohnbauprojekte investieren – gut 500 neue Wohnungen sollen so in Freiburg, aber auch in Nachbarorten wie Bad Krozingen oder Gundelfingen entstehen. Bereits heute zählen 5000 Wohnungen im Großraum Freiburg zum Bestand der Genossenschaft, die zu den größten in Deutschland gehört. Als eine von wenigen Baugenossenschaften in Deutschland darf der Bauverein Breisgau eine Spareinrichtung unterhalten – mit wachsenden Einlagen der Mitglieder. Die setzen darauf, dass Minuszinsen beim Bauverein ein Fremdwort bleiben und die Genossenschaft das Spargeld ihrer Genossen zur Finanzierung von Wohnbauprojekten verwenden kann. Wir haben uns dazu mit Reinhard Disch, dem Geschäftsführenden Vorstand des Bauvereins unterhalten.

netzwerk südbaden: Mittlerweile haben bereits einige Banken die Geldanlagen ihrer Kunden  mit Minuszinsen belegt. Wie sieht es bei Ihnen aus?
Reinhard Disch: Der Bauverein zahlt im Vergleich zu den Geldinstituten immer noch verhältnismäßig gute Zinsen. Wir können das Geld unserer Sparer ja für eigene Projekte einsetzen und erwirtschaften aus der Vermietung unserer Wohnungen eine einigermaßen annehmbare Rendite. Erst in diesen Tagen haben wir die Anfrage eines Mitglieds bekommen, das eine sechsstellige Summe in unsere Spareinrichtung einzahlen möchte. Wir haben ihm nun ein konkretes Angebot gemacht, wobei wir freilich die allgemeine Zinssituation nicht ignorieren können.

Wie sehen die Zinsen denn bei Ihnen konkret aus?
Reinhard Disch: Wir bieten mehrere Sparformen an. Beim Wachstumssparen fängt das im ersten Jahr bei 0,6 Prozent an und erreicht nach dem derzeitigen Stand im vierten Jahr 1,9 Prozent. Sehr froh sind wir natürlich über langfristige Einlagen im Bereich Sparbriefe. Bei einer siebenjährigen Anlagezeit bieten wir zum Beispiel 1,7 Prozent Zinsen, bei fünf Jahren sind es 1,6 Prozent. Wir sind natürlich keine Bank, und dürfen die Spareinlagen unserer rund 19.000 Genossenschaftsmitglieder nur verwalten und für eigene Investitionen verwenden. Kredite geben wir nicht aus. Im laufenden Jahr dürften wir über 1.000 neue Mitglieder gewonnen haben, die theo­retisch alle unsere Spareinrichtung nutzen können.

Wie sieht das konkret aus?
Reinhard Disch: Also, wir haben von der Bafin (Bundesamt für Finanzdienstaufsicht) die Erlaubnis zum Betrieb einer eigenen Spareinrichtung, wie rund 50 weitere Baugenossenschaften in Deutschland – insgesamt gibt es im Land ja über 2000 Wohnungsbaugenossenschaften. Das ist ein Privileg. Wir verfügen dadurch über Finanzierungsmöglichkeiten, die andere Genossenschaften nicht haben. Die Spareinrichtung war noch nie so wertvoll wie heute, vor allem wenn man bedenkt, dass es keine ausreichenden Wohnungsförderprogramme mehr gibt. Unsere Spareinrichtung gibt es übrigens schon seit 1923, das Anlagevolumen ist seither stetig und in den vergangnen Jahren sogar extrem gestiegen.

Wie erklären Sie sich das?
Reinhard Disch: Ich denke, dass das Bewusstsein für genossenschaftliches Sparen gewachsen ist. Die Menschen wissen und sehen, was mit ihrem Geld passiert. Wir verwalten ihre Spargelder und bauen mit ihnen Wohnungen in Freiburg und der Region, finanzieren energetische Bestandssanierungen und investieren nicht zuletzt auch in ein eigenes nachhaltiges Energiemanagement mit KWK-Technologie und Photovoltaik. Der Bauverein steht solide da.

Wie sieht die Finanzierung bei Ihnen aus, welche Rolle spielen die Spargelder?
Reinhard Disch: Wir bedienen mittlerweile 60 Prozent unserer Investitionen aus Spargeldern und Eigenkapital, 40 Prozent sind Verbindlichkeiten, zum Beispiel zinsgünstige KfW-Darlehen. Wir mussten seit fünf Jahren kein reguläres Darlehen mehr aufnehmen.

Was steht Ihnen an Spargeldern konkret zur Verfügung?
Reinhard Disch: Im Moment haben wir ein Sparvolumen von etwa 87 Millionen Euro. Rund 7 Millionen sind in 2014 dazugekommen, das ist der höchste Zuwachs, den wir je in einem Jahr hatten. Viele Mitglieder haben kleinere Beträge angelegt, einige wenige durchaus auch sechsstellige Summen.

Wie sicher sind die Anlagen?
Reinhard Disch: Sehr sicher. Zunächst einmal über den Immobilienbestand unserer Genossenschaft. Das sind ja 5000 Wohnungen, die einen Wert von cirka 500 Millionen Euro repräsentieren. Darüber hinaus sind wir Mitglied des Sicherungsfonds beim GdW, einer Selbsthilfeeinrichtung der Wohnungsgenossenschaften zur Sicherung der Spareinlagen. Dieser wurde aber noch nie von einer Wohnungsgenossenschaft in Anspruch genommen. Es gibt tatsächlich keine Risiken.

Dieses Interview wurde in der Dezemberausgabe von netzwerk südbaden veröffentlicht.

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