E-Mobilität: Der Berater

Sascha Mattes ist mit seinem Beratungsbüro „Invention2Go“ seit Jahren auf dem Spielfeld der Elektromobilität aktiv, wo sich immer mehr Abnehmer für seine Doppelpässe finden.

Von Daniel Ruda

Zur Tankstelle ein paar Meter weiter muss Sascha Mattes nicht. Er lädt sein Elektroauto an der Wallbox auf, die direkt neben der Eingangstür zum Bürogebäude in Neuenburg hängt, in dem sein Schreibtisch steht. „Parken ist gleich Laden“, sagt der 41-Jährige und erklärt das quasi zum Mantra: „Wenn das in den Köpfen angekommen ist, haben wir einen großen Schritt gemacht.“

Mattes ist Experte für E-Mobilität, mit seinem Büro „Invention2Go“ hat er sich auf die Beratung und Umsetzung von Projekten in diesem Segment spezialisiert. Vor allem Firmen und Kommunen machen seine Kundschaft aus. Das Beispiel der Wallbox an der Hauswand nutzt er für eine Forderung an die Politik. Zukünftig sollte es, so seine Forderung, eine Möglichkeit zum Aufladen von Elektroautos an jedem größeren Wohn- oder Bürogebäude geben.

„Städte und Gemeinden müssen das bei Bauanträgen klar regeln. Darüber wird noch immer zu wenig nachgedacht“, beklagt der gebürtige Freiburger. Auch und vor allem Investoren seien natürlich gefordert, aus deren Sicht sei es ein ausschlaggebender Mehrwert, wenn zum Beispiel Tiefgaragenstellplätze über Wallboxen verfügen würden. Bei immer mehr Hoteliers, die bei „Invention2Go“ Kunde sind, spielt dieser Gedanke inzwischen auch eine Rolle.

„Mit solch einem Angebot locken sie neue Gäste“. Auch ein Freiburger Pizzalieferdienst ist mit einer kleinen Elektroflotte und der Möglichkeit zum Aufladen vor Ort ausgerüstet worden. Mattes hat noch viele weitere Beispiele, die er aus seinem Kundenstamm ziehen kann: Sozialstationen und Pflegedienste, die auch aufgrund von überschaubaren täglichen Strecken auf Elektroautos umsteigen; Stadtwerke, die Ladestationen aufstellen; Kommunen, die an gemeinsamen Elektromobilitätskonzepten zur Vernetzung arbeiten; Landratsämter wie das von Lörrach, Arbeitsagenturen wie Freiburg und Offenburg oder die Uniklinik Freiburg, wo jeweils Flotten von E-Autos im Einsatz sind.

Die Bereitschaft zur Veränderung ist vielerorts da, es herrscht Aufbruchsstimmung. Die Elektromobilität werde sich durchsetzen, daran hat Sascha Mattes spätestens seit Jahresbeginn keine Zweifel mehr. „Davor war in den vergangenen Jahren schon ein bisschen die Angst da, dass es kippen könnte und die Elektromobilität nicht vorankommt“, erinnert er sich. Die Politik ließ nicht erkennen, in welche Richtung es gehen sollte und der Diesel-Skandal bremste vieles aus. Nun, mit der Offensive der großen Fahrzeughersteller, die ihre Elektromodelle auf den Markt bringen, sind diese Sorgen passé.

„Die Entwicklung ist nicht mehr aufzuhalten“, freut sich der zweifache Vater, der mit seiner Familie in Bad Krozingen lebt. Mehr als zehn Jahre ist es her seit seinen ersten Berührungspunkten mit dem Thema E-Mobilität. Damals arbeitete er in der Geschäftsführung einer Handelsvertretung und hatte viel mit der Firma Mennekes aus dem Sauerland zu tun, die maßgeblich an der Erfindung des Ladesteckers für E-Autos beteiligt war, der schließlich zum europaweiten Standard werden sollte. Mattes schaffte sich so schon früh viel Wissen in Sachen E-Mobilität.

2013 fiel dann die Entscheidung zur Selbständigkeit, weil Energieversorger, Autohäuser oder Elektriker, also die eigentlichen Akteure auf diesem Markt „keinen blassen Schimmer vom Thema Elektromobilität hatten“, so Mattes. „Es herrschte ein unglaublicher Beratungsbedarf.“ Das ist bis heute so geblieben. Angefangen mit klassischer Beratung hat sich „Invention2Go“, das Mattes seit vier Jahren als GmbH gemeinsam mit Geschäftspartner Alexander Eyhorn vom Neuenburger Automobilindustriezulieferer Leisinger führt, zum Anbieter von 360-Grad-Lösungen erweitert.

„Der Markt hat das verlangt“, erklärt er diese Entwicklung. „Heute übernehmen wir von der Beratung, Planung bis zur Umsetzung alles, das beinhaltet auch das Abrechnungssystem von Ladestationen für den öffentlichen Bereich und deren Wartung“. Mattes sieht sein Büro, in dem noch ein Mitarbeiter eingestellt ist, quasi als konkurrenzlos in der Region an, „abgesehen von großen Energieversorgern, die den Fokus nur auf dem Vertrieb haben. Wir haben jahrelange Erfahrung und sind unabhängig von Stromanbietern oder Herstellern, das ist unser Vorteil“.

Im vergangenen Jahr waren es an die 200 Ladepunkte, die „Invention2Go“ im privaten und gewerblichen Bereich realisiert hat, im öffentlichen Bereich waren es mit 18 vergleichsweise wenige. „Die öffentliche Ladeinfrastruktur ist noch dünn, das muss sich verbessern, um die Zweifel der Menschen an der E-Mobilität verschwinden zu lassen“, betont Mattes deswegen. Derzeit arbeitet er mit Partnern an einem Produkt für den öffentlichen Raum, mit dem die Ladeinfrastruktur weiterentwickelt werden soll, „um daraus auch ein Business-Modell zu machen“ und abseits des Stromzapfens einen Mehrwert zu bieten.

Mehr darüber verraten möchte er öffentlich nicht. Die benachbarte Tankstelle auf dem Areal unweit des Autobahnzubringers in Neuenburg wird Sascha Mattes unabhängig davon zukünftig vielleicht doch einmal nutzen: „Wir haben gemeinsam mit dem Tankstellenbetreiber einen Förderantrag gestellt, um hier einen Schnellladepark zu realisieren.“