Europa-Park: Thomas Mack im Interview

Thomas Mack, einer der vier Geschäftsführer des Europa-Parks in Rust über das Wasserpark- Projekt und das Hotel „Krønasâr“, die nicht ausgehenden Ideen, die Umsetzung der ersten Bürgerbeiteiligung – und den Generationen-Übergang in der Leitung des Parks.

Interview Rudi Raschke

Wie wird ihr neues Hotel korrekt ausgesprochen, das „Krønasâr“?
Thomas Mack: „Krönasor“ wäre korrekt. Ein Fantasiewort oder eines mit Bedeutung? Eine Wortschöpfung von uns, die mit Skandinavien assoziiert werden soll, aber keine Bedeutung hat oder von einer anderen Marke geschützt wäre. Ein Fantasiebegriff wie Rulantica, der Name unserer Wasserwelt.

Wie kam es zu Skandinavien als Thema, nachdem bei vier der fünf bisherigen Häuser der Süden Europas im Vordergrund steht?
Grundsätzlich war unsere Idee, dass wir es wieder in Europa ansiedeln wollen. Dazu kam die Frage nach dem Schauplatz: Wir sahen die zwei Wälder, die den Wasserpark umgeben, da war für uns bereits klar, dass wir nichts mit Tropen, Palmen oder Piraten bauen möchten. Außerdem haben eine Vielzahl anderer Wasserparks weltweit bereits diese Thematisierung gewählt. Darüber hinaus bleiben wir damit im europäischen Kontext. So hatten wir die Idee für ein nordisches Thema, auch für das Storytelling wählten wir nordische Mythen. Und nicht zuletzt wurde die skandinavische Küche in den vergangenen Jahren immer angesagter, denken Sie an das „Noma“ in Kopenhagen und die ganze Nordic Cuisine, die dort entstanden ist. Wir sind davon absolut überzeugt.

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Thomas Mack im Interview

Wie beginnt das bei Ihnen? Sie sitzen mit der Familie und Mitarbeitern am Tisch und diskutieren eine Themenregion?
Alles in allem ist die Idee für den Wasserpark schon 20 Jahre her. Bei uns beginnt fast alles immer mit der Überlegung „wo bauen wir was“. Dann finden wir die Location, das Thema und entscheiden dann, ob es im Sommer oder ganzjährig ein Angebot geben soll. Skandinavien hat ganz großes Potenzial, das Hotel auch in den kälteren Monaten gemütlich zu gestalten. Vor allem verbindet nahezu jeder etwas Positives mit Skandinavien.

Aus solchen Überlegungen entwickeln Sie dann probeweise Ideen?
Ja. Es gibt eine kleine Zahl verschiedener Vorschläge und wir lassen entwickeln, in diesem Fall hatten wir auch eine Schwarzwald- Thematik und Kroatien. Wenn dann ein, zwei Ideen übrig bleiben, wollen wir die Kultur und die Menschen näher kennenlernen. Erst Ende August war ich wieder in Dänemark, um den Feinschliff für die Inspiration zu holen.

Spielen auch potenzielle Gäste aus Skandinavien für Sie eine Rolle?
Natürlich wollen wir auch mit den Tourismus-Verbänden in diesen Ländern zusammenarbeiten. Wir denken zum Beispiel an Familien, die auf dem langen Weg in den Süden hier Station machen können.

Wie ist das neue Haus innerhalb der bestehenden positioniert, im Stil, in der Kategorie?
Wir streben wie bei drei der anderen unserer fünf Häuser auch die 4-Sterne-Superior-Kategorie an. Im ersten Schritt wird es keinen Wellnessbereich geben, weil der Wasserpark ja vor der Tür liegt. Die Hotelgäste dürfen aber die bestehenden Wellnessbereiche kostenfrei benutzen.

Wie schaut der gastronomische Ansatz aus? Eher in Sterne-Nähe wie bei „Ammolite“ oder bodenständig?
Wir streben kein weiteres Sternerestaurant an, sondern wollen zwei unterschiedliche Restaurants anbieten: Das „Tre Krønen“ mit 220 Plätzen mit gehobener Fine Dining-Küche nach nordischem Vorbild. Besonders freue ich mich auf den Chef ’s Table in diesem Restaurant. Dazu kommt ein weiteres a-la-Carte-Restaurant für Familien, mit dem wir auch den Wasserpark-Tagesbesucher auf dem Heimweg erreichen wollen, mit einer einfachen, preiswerten Küche. Und ein Café mit nordischer Patisserie und eine gemütliche Bar dürfen nicht fehlen.

Vermutlich wird dieses sechste nicht ihr letztes Hotel sein?
Wenn es so weitergeht mit der Auslastung, kann das gut sein. Wir sind im Sommer bei einer Hotel-Auslastung über 95 Prozent. Vor 25 Jahren hat keiner bei uns geglaubt, dass wir hier überhaupt Übernachtungen anbieten können.

Wie lange ist die Aufenthaltsdauer im Schnitt?
Den Großteil bei uns stellen weiterhin Besucher als Tagestouristen, aber wir kommen auf einen Schnitt von 1,4 Übernachtungen pro Gast. Die zukünftige Idee wird es sein, dass Besucher nicht nur zwei Tage im Europa-Park und einen im Wasserpark verbringen, sondern ihre Kurzreise auch für Ausflüge in den Schwarzwald oder den Kaiserstuhl nutzen können.

Aus welchem Radius reisen die Gäste an?
Wir haben den Umkreis mit jedem neuen Hotel in ganz Europa erweitert, es hätte zuvor keinen Sinn ergeben, wenn wir in Dänemark für uns werben, aber die Leute kein Zimmer bei uns finden. Mit dem neuen Hotel können wir noch einmal erweitern. Bei 80 Prozent „Wiederholern“ brauchen wir jedes Jahr mindestens 20 Prozent neue Gäste, um solche Erweiterungen realisieren zu können.

Wie hat man sich diese Wiederholer vorzustellen? Wollen sie Abwechslung beim Übernachtungsprogramm oder immer das Gleiche?
Es gibt bei uns sogar Gäste, die ein Package buchen, bei dem sie neben einer Jahreskarte fünf Hotel-Übernachtungen buchen. Dabei schlafen sie jede Nacht in einem anderen Haus und wir ziehen ihnen jeden Tag die Koffer um.

Sie sind im hochwertigen Sterne-Segment unterwegs. Wäre es auch noch eine Idee, dass einmal ein Haus der Hostel-Klasse entsteht?
Wir haben ein wenig eine Übereinkunft mit der Region, dass wir in den drei-Sterne-Bereich beispielsweise nicht selbst eingreifen werden, das bleibt den Übernachtungsbetrieben der Gemeinden vorbehalten. Klar, Übernachten im Tipi-Dorf ist so ein Angebot. Ich wüsste aber auch nicht, wie wir von der Kategorie her ein einfacheres Haus bauen sollten. Wir können ja bei einem Neubau schlecht die Klimaanlage weglassen oder die liebevollen Details (lacht.)

Wenn wir in die weitere Zukunft blicken: Gibt es weitere Hotelideen für die nächsten Jahre?
Wir können den Standort noch weiter entwickeln, aber wir wissen bisher nur, was wir nicht thematisieren wollen. Ein Karibik-Hotel wird es nicht sein. Und auch nach der Realisierung des Wasserparks gibt es noch Flächen, auf denen wir uns erweitern können. Es ist aber nicht so, wie uns oft vorgeworfen wird: dass wir für die nächsten zehn Jahre alles bereits in der Schublade hätten. Wir wollen flexibel bleiben.

Was wäre ein persönlicher Wunsch, den Sie gern realisieren würden?
Ich fände eine Entertainment-Straße ganz spannend, wo man nach dem Parkbesuch Essen, Trinken und Shopping verbinden kann. Oder eine Surfwelle in einem Fluss.

Wie ist Ihr Verhältnis zur Gemeinde aktuell? Sie sind für den Wasserpark erstmals in eine Bürgerbeteiligung gegangen.
Ein wenig Angst gab es bei uns schon, als der Ruster Bürgermeister Kai-Achim Klare die Idee einer gemeinsamen Bürgerbeteiligung mit der Gemeinde Ringsheim hatte. Aber letztendlich waren es sieben Veranstaltungen zu allen möglichen Themen von Verkehr bis Umwelt, die super gelaufen sind. Und am Ende dafür gesorgt haben, dass wir das Projekt dieser Größenordnung ohne Gegenstimme an den Start bringen können. Für uns war es ein Segen, bereits im Vorfeld alle hinter uns bringen zu können. Wir sind auf die Bürger zugegangen, bevor es überhaupt zu Protesten gekommen wäre. Es gab dabei gute Hinweise, die wir gerne umgesetzt haben.

Wie sieht es für die Zukunft des Parks mit dem Übergang von der Generation Ihres Vaters Roland und seines Bruders Jürgen auf die von Ihnen und Ihrer Geschwister sowie der Cousine und des Cousins aus?
Wir haben schon vor Jahren eine Familien-Charta erarbeitet, in der wir uns mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Mein Vater zieht sich gerade weitgehend aus dem operativen Geschäft zurück, in dem mein Bruder, mein Onkel und ich die Geschäfte führen. Aber natürlich ist er weiterhin bei allen strategischen Fragen dabei.

Aber ein Tag X für einen Rückzug der Eltern-Generation gibt es nicht?
Nein. Mein Vater hat selbst gelernt, was es bedeutet, beim Unternehmen meines Großvaters die Stapel nach und nach abzuarbeiten, bis sein Vater sich irgendwann mehr und mehr zurückziehen konnte. Aber wir sind heilfroh, dass er sich auch um die repräsentativen Aufgaben bei uns kümmert, die sehr viel Zeit in Anspruch nehmen.

Ihre Familie hat den Park 1975 mit großer Überzeugung eröffnet, als die EU noch kein großes Thema war. Daher die unvermeidliche Frage, wie der Europa-Park die Krise Europas in diesen Tagen erlebt?
Wir sind wirklich überzeugte Europäer, aber wir sehen eher das kulturelle und das geografische Europa als das politische. Mit allen seinen Facetten und Unterschieden, das macht es so besonders. Egal was passiert, die Leute werden zum Beispiel Italien immer lieben und gern dorthin fahren, dieses Land bleibt immer schön.