Gastronomie: Weltoffen heimisch

Die Sonne in St. Peter hat die Sterneküche hinter sich gelassen und überzeugt mit Bio-Raffinesse inmitten eines touristischen Hotspots.

Von Rudi Raschke

Weil es in dieser Ausgabe um den Tourismus der Region geht, soll eine feine Schwarzwald-Flucht vorgestellt werden, die für beides anregend ist: Den gepflegten Geschäftstermin wie den Ausflug am frei genommenen Tag. Mit der „Sonne“ ist das fern der Welt der „Business Lunches“ möglich – mit einer geradlinigen Küche in einem Gasthaus, das modern und kitschfrei auftritt. Was Heimatverbundenheit überhaupt nicht ausschließt. Denn bei Gerichten und Getränken ist das Haus darum bemüht, möglichst viel Regionales auf den Tisch zu bringen, das Ganze in Bio-Qualität.

Vieles ist beinahe mit Übereifer gekennzeichnet, aber es kommt dem Gast zugute. Zum Beispiel, dass er durch ein kleines Zeichen weiß, ob ein Weingut biodynamisch, mit Biowein-Zertifikat oder noch in Umstellung auf Bio produziert. Das Gleiche gilt bei den Speisen, bei denen beim Huhn eben auch der Erzeuger genannt ist, in diesem Fall die hervorragenden „Dürr & Mager“ aus dem schwarzwälderischen Grafenhausen. Der Küchenchef und Betreiber Hans-Peter Rombach hatte 15 Jahre Erfahrung mit Guide-Michelin-Sternen hinter sich, als er 2008 entschied, künftig in der „Sonne“ keinen mehr erkochen zu wollen. Es hatte familiäre Gründe, die den Aufwand nicht mehr gerechtfertigt schienen ließen. Aber auch die Kursänderung Richtung Bio spielte eine große Rolle.

netzwerk südbaden

Das Gasthaus Sonne in St. Peter kocht viel Bio in bester Qualität. Foto: Johannes Meger

 

Heute verarbeitet er klassische Zutaten aus ökologischer Produktion, indem er sie auch mit exotischeren Erzeugnissen oder Zubereitungsarten vermischt – Tandoori, Chutney oder Quinoa stehen nicht aus modischem Selbstzweck auf der Karte, sondern passen hier zu einer weltoffenen Küche. Die Grundlagen sind heimisches Reh, Zicklein, Weiderind oder Geflügel, die Küche folgt den Jahreszeiten und der Umgebung. Was die „Sonne“ ebenfalls attraktiv für eine Mittagseinkehr macht: Hans-Peter Rombach und seine Frau Petra im Service schöpfen aus einer Auswahl, die im Wesentlichen eine Abendkarte darstellt – ohne allzuviele Posten. Das erhöht die Wahlmöglichkeiten, die Preise sind dabei auch mittags angemessen für die Qualität von Material und Verarbeitung, aber eben nichts für die Happy-Hour-Mentalität: Das zeigt sich beispielsweise beim Menü für 37 Euro, in dem die erwähnte Exotik einen gehaltvollen Bio-Blattsalat mit gefüllter Spitzpaprika (Quinoa-Ricotta) und Wassermelone verfeinert.

Als Hauptgang gibt es ein klassisches Rehragout mit Spätburgundersoße, Gemüse und Spätzle. Als Dessert Schoko-Macaron. Wer kein Menü möchte, kommt an einem sonnigen Freitagmittag im Gastraum oder auf der Terrasse („Vogelgezwitscher inklusive“ verspricht die Kreidetafel draußen) auch mit einer eigenen Zusammenstellung auf seine Kosten, z.B. hausgemachten Reh-Maultaschen in einer wunderbaren Brühe und einer schönen Forelle Müllerin aus dem Schuttertal mit Butterkartoffeln. Die Portionen sind gut, die Maultaschen werden zur Vorspeise als kleinere, aber immer noch ausreichende Portion offeriert, die Forelle ist mit heimischen Kräutern gefüllt und ein saftiger wie knuspriger Hauptgang.

Fazit: Eine Karte, auf der jeder etwas findet, bei der das Bio weniger einem Dogma folgt wie in mancher Freiburger Veggie-Stube, sondern einfach dem guten Geschmack und einer nachhaltigen Landwirtschaft zum Vorankommen verhilft. Dazu ein aufmerksamer, unkomplizierter Service, nebenbei auch ein hervorragendes Körnerbrot aus eigenem Ofen. Ein schöner Mittagstisch, der einen Ausflug lohnt, ohne allzu aufwändige Wander- oder Bike-Aktivitäten zu verrichten. Aber auch ein Vesper außerhalb der Mittags- und Abendzeiten oder Kaffee und Kuchen sind möglich.

Sonne St. Peter Zähringer Str. 2,
79271 St. Peter
Telefon: 07660 94010

Öffnungszeiten:
täglich außer montags
von 12 bis 24 Uhr
www.sonne-schwarzwald.de