Gespräch: Christa Porten-Wollersheim über BGM

porten-03In Zeiten des demographischen Wandels wird es immer schwieriger, qualifizierte Mitarbeiter zu finden und zu binden. Zudem erhöhen nur gesunde und motivierte Mitarbeiter die Produktivität eines Unternehmens. Das haben auch Deutschlands Unternehmer erkannt und setzen auf ein betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM). In Freiburg berät beispielsweise FITALMANAGEMENT Unternehmen und Organisationen beim Aufbau und der systematischen Einführung eines BGM. netzwerk südbaden hat die Inhaberin von FITALMANAGEMENT, Christa Porten-Wollersheim, zum Gespräch über BGM getroffen.

netzwerk südbaden: Frau Porten-Wollersheim, wie definieren Sie eigentlich Betriebliches Gesundheitsmanagement, kurz BGM?

Porten-Wollersheim: Betriebliches Gesundheitsmanagement bedeutet ganz einfach, dass man bei jeder unternehmerischen Entscheidung die Gesundheit mit im Blick hat und die notwendigen Organisationsstrukturen im Unternehmen dafür schafft.

Welche Voraussetzungen braucht es, um BGM in einem Unternehmen einzuführen? Ist das nur etwas für Konzerne und große Mittelständler, spielt die Unternehmensgröße eine Rolle?

Porten-Wollersheim: Die großen DAX-Unternehmen und auch zahlreiche große mittelständische Unternehmen arbeiten schon sehr lange mit BGM, wobei wir auch da feststellen, dass häufig mehr zufällig, bedarfsgetrieben, Einzelmaßnahmen durchgeführt werden, die nicht zwingend in ein Konzept eingebettet sind. Große Unternehmen haben den Vorteil, dass sie über notwendige personelle, finanzielle und räumliche Ressourcen verfügen. Dagegen nehmen sich in kleineren Unternehmen oft der Chef selbst oder die Personalabteilung des Themas an, was eine Herausforderung darstellt. Sicher ist es in Zeiten des Fachkräftemangels und vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung ein Thema für alle Unternehmen, völlig unabhängig von der Größe. Auch das Stichwort Employer Branding spielt hier eine Rolle. Wenn die Geschäftsleitung in die Gesundheit und das Wohlbefinden der Mitarbeiter investiert, ist dies heute ein wichtiges Signal und steigert die Arbeitgeberattraktivität.

Wenn ich als Unternehmer das Thema BGM auf die Agenda setze, wie geht man denn konkret vor?

Porten-Wollersheim: Wichtig ist, dass der Chef, bzw. die Geschäftsleitung BGM einführen will. Unternehmen können z. B. die „Luxemburger Deklaration“ von 1979, eine Initiative der europäischen Union, als Grundlage nehmen. Diese umfasst Maßnahmen der Betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF), welche zum Ziel haben, die Gesundheit und das Wohlbefinden am Arbeitsplatz zu verbessern. Viele Unternehmen entwickelt ein Leitbild zum Thema Gesundheit und starten damit. Vor allem muss kommuniziert werden, dass BGM im Unternehmen eingeführt werden soll. Insbesondere müssen die Führungskräfte informiert werden und ein hierarchie- und abteilungsübergreifender Arbeitskreis eingerichtet werden, der sinnvollerweise von einem externen Berater begleitet wird. Mit diesem Instrument werden alle Blickwinkel auf das Thema Gesundheit berücksichtigt. Es entsteht ein kommunikativer Prozess, an dem alle wichtigen Akteure partizipieren können. Darüberhinaus werden Mitarbeiter in Befragungen eingebunden. Diese werden evaluiert und es werden passende Maßnahmen abgeleitet. BGM ist ein kontinuierlicher Prozess, der immer wieder überprüft wird und sich verändert.

Sie bieten ja ganze BGM-Konzepte an, was ist denn der Unterschied zu Einzelmaßnahmen?

Porten-Wollersheim: Wenn wir ein Konzept entwickeln, schauen wir uns das Unternehmen konkret an und erarbeiten, wo die individuellen Herausforderungen, bezogen auf Branche, Kultur, Mitarbeiterzahlen, Abteilung, Krankenstände, Hierarchieebene etc. liegen. Bei Maßnahmen der Betrieblichen Gesundheitsförderung werden oft Einzelmaßnahmen, die zeitlich begrenzt sind, verfolgt. Das ist dann zum Beispiel der viel beschriebene „Apfelkorb“, die Rückenschule oder ein Gesundheitstag. Bei der systematischen Einführung eines BGM wird im besten Fall eine Ist- und Bedarfsanalyse „vorher“ durchgeführt, davon werden individuelle Maßnahmen abgeleitet, die danach wieder evaluiert und bewertet werden. Dadurch wird die Nachhaltigkeit und Qualität der Angebote gewährleistet und Strukturen geschaffen. In der Realität sieht es häufig so aus, dass bereits einige BGF-Maßnahmen durchgeführt wurden und unsere Aufgabe besteht dann darin, diese Maßnahmen in ein BGM-Konzept zu integrieren.

Sind BGM-Maßnahmen denn in ihrem Erfolg messbar?

Porten-Wollersheim: Ja, sehr gut. Man kann sich zum Beispiel von den Krankenkassen die Fehltage geben lassen, wobei diese Zahlen nur die „Spitze des Eisberges“ widerspiegeln. Was sich unter der Wasseroberfläche befindet, wie z. B. Präsentismus, Innere Kündigung, Mobbing etc., d. h. die eingeschränkte Arbeitsfähigkeit, zeigen die AU-Zeiten nicht. Diese sind in der Regel wesentlich höher. Dennoch lassen sich allein durch die Senkung der Fehlzeiten ganz konkret Einsparungen erzielen. Mit dem Instrument „Mitarbeiterbefragung“ haben die Mitarbeiter die Möglichkeit ihr subjektives Empfinden zum Ausdruck zu bringen, den BGM Prozess mit zu gestalten, was sich positiv auf die Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter und damit auf die Produktivität auswirkt. Mitarbeiter fühlen sich anerkannt und wertgeschätzt. Der Return on Invest ist messbar.

Was muss ich als Unternehmer denn investieren, wenn ich BGM machen will?

Porten-Wollersheim: Das kann man natürlich nicht pauschal sagen. Bei den Einzelmaßnahmen, Gesundheitstage o. ä. gibt es beispielsweise kostenlose Angebote von Krankenkassen. Der Vorteil unserer Beratung ist, dass wir Einsparungen im Sinne von Krankenkassenzuschüssen, Steuerbefreiung, Mitarbeiterbeteiligung etc. in unsere Konzepte einfließen lassen und unabhängig sind. Ein BGM-Konzept kostet natürlich Geld. Wenn man jedoch die Einsparungen durch Reduktion der Fehlzeiten berechnet, erkennt man schnell, dass sich die Investition lohnt.

Sie sind mit Ihrer Firma Fitalmanagement seit über 10 Jahren im Markt aktiv. Wird die Nachfrage größer, wird BGM immer mehr zum Thema?

Porten-Wollersheim: Eindeutig ja! Um die besten Mitarbeiter zu finden und zu binden spielt das Thema BGM in immer mehr Unternehmen eine Rolle. Vor dem Hintergrund des schon genannten demographischen Wandels wird das sicher noch mehr werden. Die Notwendigkeit im Sinne des Unternehmenserfolgs ist erkannt. Darüberhinaus tun die Unternehmen ihren Mitarbeitern etwas Gutes.

Welchen Fehler sollte ich vermeiden, wenn ich BGM in meinem Unternehmen einführe?

Porten-Wollersheim: Sie sollten darauf achten, dass man zu einem Anbieter geht, der tatsächlich Betriebliches Gesundheitsmanagement betreibt und nicht zu Anbietern, die „nur“ betriebliche Gesundheitsförderung machen. BGM sollte im besten Fall in der Unternehmenskultur verankert sein.

Hintergrund

FiTALMANAGEMENT, mit Sitz in Freiburg, wurde 2003 gegründet und berät seither zahlreiche Unternehmen im Betrieblichen Gesundheitsmangement. Die Inhaberin, Christa Porten-Wollersheim, hat ihre Wurzeln im südlichen Schwarzwald, in Höchenschwand. Dort und in Bad Krozingen betreibt ihre Familie Hotels und Rehabilitationskliniken. Aufgrund dieser Wurzeln und einem Studium an der renommierten Universität Bielefeld bei Prof. Dr. B. Badura, kann FITALMANAGEMENT auf ein erfahrenes Netzwerk regional und überregional zugreifen und bietet so BGM mit System von A-Z an. Christa Porten-Wollersheim hat die Leitung der Wirtschaftsregion Freiburg / Müllheim des Verbands Deutscher Unternehmerinnen (VdU) inne und ist Mitglied der Health-Region Freiburg, einer Clusterinitiative führender Unternehmen aus den Bereichen Gesundheit und Tourismus in der Wirtschaftsregion Freiburg.

www.fitalmanagement.de

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