Kieswirtschaft: Gut auf Sand gebaut

Über 200 Gäste aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Wirtschaft kamen zur Fachtagung, mit der sich die über 20 Mitgliedsunternehmen der „Kieswirtschaft am Oberrhein“ der Öffentlichkeit vorstellten.

Von Rudi Raschke

Das Logo aus grauen, blauen und grünen Flächen deutet es bereits an: Die Initiative „Kiwi“, wie sich die Kieswirtschaft am Oberrhein als Zusammenschluss nennt, will zeigen, das sie einen Einklang aus Abbau, Natur und Gewässern herstellen will und hier ganz unterschiedliche Nutzungen zusammen spielen. Hierzu hat sich eine recht eindrückliche Vertretung ergeben, die aber mehr als nur Lobby-Interessen artikuliert: Zunächst ist es beachtlich, dass hier mehrere konkurrierende Unternehmen entlang des Rheins den Zusammenschluss suchen – zum anderen gehen hier Firmen in einen öffentlichen, auch kontroversen Dialog, die jahrzehntelang abgeschieden vor sich hingewerkelt haben.

Zum neuen Außenauftritt gehören auch Veranstaltungen wie der jüngste „Kiwi“-Wirtschaftstag in den Konferenzräumen des Ruster Europa-Parks Anfang März. Als Keynote-Speaker und Ehrengast gab der deutsche EU-Kommissar Günther Oettinger Einblicke in die europäische Seele und ihre Historie und plädierte für eine langfristige Vision mit gemeinsamen EU-Zielen.

Auch wenn manche Spitze gegen die „lendenlahme Gesellschaft“ und manche Erinnerung an studentische Skilehrer-Zeiten Oettingers dem ganzen einen leicht schrägen Touch gaben: Sein Engagement für einen friedlichen Kontinent verfing, auch für eine „entsprechende Betriebsgröße“ die es brauche, um die Welt von morgen mitzuprägen. Oettinger würdigte die „Lobbyarbeit mit hoher Seriösität“, die ihn an diesen Ort geführt hatte. Im Anschluss beschäftigten sich Fachvorträge mit dem Rohstoffbedarf, aber auch der Bedeutung von Gewinnungsstätten von Kies und Sand für die biologische Vielfalt.

Dabei ging es auch um die vielfach kolportierte Frage, ob im Land der Sand ausgehe. Antwort: das nicht, aber es gibt regionale Engpässe, auch begründet durch langwierige Genehmigungsverfahren. Die Initiative setzt sich für kurze, klimafreundliche Transportwege ein. Der Landschaftsplaner und Gewässerspezialist Dr. Werner Spang stellte die Zusammenhänge zwischen Abbautätigkeiten und Artenvielfalt her. Eine Vielzahl von bedrohten Pflanzen und Tieren fände Zuflucht an Baggerseen – während der Rohstoffgewinnung und im Anschluss daran.

Eine Diskussion zum Thema „Abbauwahn – Artenschutz – Bürgerwut? – Immer diese Kieser“ rundete den KIWI-Wirtschaftstag ab. Unter anderem wies die grüne Vorsitzende des Petitionsausschusses im Landtag, Beate Böhlen, darauf hin, dass viel mehr Bürger als früher ihre Partikularinteressen lautstark artikulierten, wenn es um Erweiterungen von Gewinnungsstätten oder gar um Neuaufschlüsse gehe. Besitzstände würden engagiert verteidigt. Gerhard Bronner, der Vorsitzende des Landesnaturschutzverbandes räumte ein, dass die Natur durchaus profitieren könne von den Magerflächen, wie sie in Kiesgruben und Baggerseen entstünden.

Die Initiative „Kiwi“ als Plattform begrüßte er ausdrücklich. Dr. Johannes Dreier, Abteilungsleiter im Regierungspräsidium Freiburg, plädierte beim Kies- und Sandabbau für mehr Flächeneffizienz. Man solle sich verstärkt bemühen, in größere Tiefen vorzudringen um eine weitere Inanspruchnahme von Flächen am Oberrhein zu reduzieren. „Kiwi“-Vorsitzender Thomas Peter und seine beiden Stellvertreter Michael Knobel und Michael Krieger zeigten sich mit dem Wirtschaftstag am Ende zufrieden und sehen ihn als Beispiel für einen funktionierenden Dialog.