Marketing: Gebrüder Film

Zwei Brüder setzen als Filmemacher Unternehmen in Szene und bereiten parallel ihre Schritte hin zur großen Leinwand vor.

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Regisseur und Kameramann: Jochen (links) und sein Bruder Steffen Isensee bei der Arbeit. Foto: Isensee Film GmbH

Ja, natürlich, das Filmemachen ist schon die Leidenschaft der Brüder Steffen und Jochen Isensee. „Aber das ist so ein Wort, das inflationär benutzt wird“, findet Jochen Isensee, der im Brüder-Duo für Konzeption und Regie verantwortlich zeichnet. Auch Emotion könnte man in die Reihe ausgelutschter Begriffe packen. Aber es geht eben genau darum, um „Emotionen, die hängen bleiben“, fügt Steffen an.

Ob mit einem rund dreiminütigen Imagefilm für ein Unternehmen, einem 20-sekündigen Werbespot, oder möglichst einmal mit einem 90-Minuten-Spielfilm, der auf der großen Leinwand läuft: Emotionen beim Zuschauer hervorzurufen, das sei Anspruch und Ziel. Die Bilder, die es dazu braucht, die schießt man nicht eben mal so. Das machen die Mittdreißiger im Gespräch klar, zu dem sie in einen kahlen Konferenzraum im Freiburger Stadtteil Vauban geladen haben. Bis sie in ihr neues Büro in Freiburg-Hochdorf ziehen, sind es da nur noch ein paar Tage hin. „Das Technische ist nicht unbedingt so schwierig“, führt Steffen aus, der für Produktion und Kamera zuständig ist.

Es gehe vielmehr darum, einen Blick für Dinge zu haben, um eine Geschichte visuell erzählen zu können. Dann wieder Jochen: „Wir haben eine Vorstellung davon, wie der Film am Ende aussehen soll“. Dass hier zwei Brüder gemeinsam am Werk respektive am Erzählen sind, wird schnell klar. Einer redet, der andere übernimmt, verdeutlicht oder bremst Gesagtes auch mal aus. Ein Laptop samt kleiner Bluetooth-Box dient dann quasi als Übersetzer, auf dem die Isensees Filme zeigen, die sie für ihre Kunden aus der Unternehmenswelt gedreht haben.

Etwa den Clip für AHP Merkle aus Gottenheim, zwei Minuten und 36 Sekunden dauert er. Darin stecken rund drei Monate intensive Konzeption und Produktion, ergo: Arbeit. Protagonistin des Clips ist die erfolgreiche deutsche Triathletin Daniela Sämmler, deren sportliche Anstrengungen filmisch mit den Stärken des Unternehmens verknüpft werden. Gefilmt wurde dafür auf Lanzarote, im Mercedes-Windkanal in Stuttgart-Untertürkheim, nachts in einem Schwimmbad in Karlsruhe und in den südbadischen Produktionshallen.

Der Clip auf dem 15-Zoll-Bildschirm würde auch auf einer Kinoleinwand gut aussehen. Und da wollen die Isensees auch hin, doch dazu später mehr. Vom klassischen Imagefilm, der mal eben zeigt, was ein Unternehmen an Produkten anbietet und das mit ein paar Aufnahmen aus Produktionshalle, Geschäftsführerbüro und Einsatzort verwebt, haben sich die Filmemacher emanzipiert. Das, was sie ihren Kunden liefern, nennen sie Identityfilm. „Wirwollen das Unternehmen verstehen“, betont Jochen Isensee, mit 38 Jahren der große Bruder.

Steffen, der Geschäftsführer der gemeinsamen GmbH, ist vier Jahre jünger. Jenes Verstehen-wollen, das gelingt durchaus. Zwei Mal referiert Jochen Isensee ausführlich über technische Details, um die es sich bei Industrieunternehmen dreht, für die die Isensees Filme produziert haben. Das Geschichtenerzählen mit der Videokamera, es treibt die beiden bei Pforzheim aufgewachsenen Brüder seit ihrer frühen Jugend um. Als Teenager begannen sie, anfangs gemeinsam mit Bruder Holger, mit der Kamera des Vaters Filme zu drehen.

Nachdem sie ihr eigenes Gerät zum Ausprobieren geschenkt bekommen hatten, war irgendwann mal ein Musikvideo von Kumpels im Kasten und wenig später, da war die Familie nach Südbaden gezogen, kam plötzlich der erste offizielle Auftrag. So ging es los. Lange ist das her. Sie studierten dann in Freiburg: Steffen VWL, seine Diplomarbeit schrieb er über das Thema Film; Jochen studierte Medizin und wurde zum Facharzt für Anästhesie. Das Hobby Filmemachen begleitete sie stetig. Vor zehn Jahren gründeten sie mit „eazy entertainment“ daher ihre eigene Firma.

Steffen fokussierte sich nach seinem Studienabschluss darauf, arbeitete als Kameramann und war viel unterwegs. Vor drei Jahren dann stellten sie sich neu auf, seither gibt es die GmbH Isensee Film. Inzwischen steckt auch Jochen seine ganze Arbeitszeit in die gemeinsame Firma. Den festen Job als Arzt hat er vergangenes Jahr aufgegeben, nebenher ist er noch als Notarzt im Einsatz, wenn es die Zeit zulässt.

Das Hobby ist zum Beruf geworden. Nimmt die Firma Isensee Film – einem Festangestellten für das Kaufmännische soll demnächst eine weitere Vollzeitkraft folgen – einen größeren Auftrag an, beinhaltet das einen Workshop beim Kunden, in dem die Filmemacher dem Kern, also der Identität, des Unternehmens auf den Grund gehen, und auf dieser Basis ein Konzept für einen Film und eine Strategie für die Veröffentlichung etwa in den Sozial Medien entwickeln. Die Preise gehen dabei je nach Aufwand vom Vier- bis ins Sechsstellige.

Neben solchen Projekten für Auftragskunden arbeiten sie an ihrem (Vorsicht: inflationär genutztes Wort) Traum. „Wir wollen Spielfilme und Dokumentationen drehen“, bringt es Jochen Isensee auf den Punkt. Gerade bereiten die Familienväter ihre beiden diesbezüglichen Großprojekte vor. Die Isensees wollen einen Kinofilm realisieren, basierend auf dem Roman Hades von Leo Habets, zu dem sie vor Jahren bereits einen Trailer gedreht haben. Das Drehbuch zum Liebesdrama, das im Schwarzwald im Dritten Reich spielt, steht bereits. Aktuell läuft die Suche nach Fördergeldern. Drei Millionen Euro soll das Budget betragen, im nächsten Jahr soll gedreht werden, 2021 soll der Film dann in die Kinos kommen.

Zudem ist eine aufwändige Dokumentationsreihe zum Thema Hoffnung in Arbeit. „Wir sind auf einem guten Weg und haben noch viel in der Schublade“, betont Jochen Isensee. Im Portfolio finden sich mit dem Kurzspielfilm „Der Degustator“ sowie einer Dokumentation bereits erste Arbeiten dieser Art. In „Höher denn die Erde“ wird in elf Minuten auf ruhige und ergreifende Art die Geschichte vom kleinen Nick erzählt, der mit einem schweren Herzfehler zur Welt kommt. Die Kurz-Dokumentation schildert, wie Ärzte der Uniklinik Freiburg monatelang um das Leben des Jungen kämpften, während die Familie hoffte und bangte. Nick war der Sohn von Steffen Isensee, was dem Film eine zusätzliche emotionale Wucht verleiht. Mit „Emotionen, die hängen bleiben“ lässt einen dieser Film wahrlich zurück.

(Autor: Daniel Ruda)

www.isenseefilm.com