Special Effects für Arbeitsmarkt und Tourismus

Filmdreharbeiten werden in Freiburg und im Schwarzwald gefördert: Für den Filmstandort sind die Ansiedlung von Dreharbeiten in der Region wichtig, aber auch immer neue Orte zu finden.

Von Stephan Elsemann

Das „Location Office Region Freiburg“ heißt jetzt „Film Commission Freiburg Schwarzwald“. Hinter dieser kleinen Meldung steht nicht einfach nur eine Namensänderung. Das vor 15 Jahren auf Initiative des Landes Baden-Württemberg ins Leben gerufene „Location Office“ hat sich zu einer wichtigen und unverzichtbaren Anlaufstelle für Filmschaffende entwickelt – mit belebenden Effekten für die regionale Wirtschaft und Kultur.
Die Umbenennung war überfällig, die Aufgaben einer Film Commission gehen über das Finden von Drehorten weit hinaus und umfassen alle Fragen rund um eine Filmproduktion. Das geht von der Vorbereitung bis zur Post-Production. „Location office“, erinnert sich Kristina Müller, war bei der Gründung der bescheidenere und passendere Name. Kristina Müller ist die „Film Commission Freiburg Schwarzwald“ in Person – seit 15 Jahren. Ihre Arbeit muss ein Traumjob sein, wenn man die Abwechslung liebt, gern mit vielen Menschen zu tun hat, flexibel ist und improvisieren kann: „Film hat mich schon sehr früh interessiert“, sagt Müller, „gerade auch das Organisatorische hat mich immer gereizt“. Sie klärt Fragen um den Dreh im Vorfeld, besorgt Unterkünfte für die Filmteams, kümmert sich um Drehgenehmigungen und hält Kontakt zu den jeweiligen Ämtern.

TV-Aufnahmen in der Hochburg der Ruine Denzlingen im Januar 2017 © Maria Wiesler/SWR

„Wenn jemand von außerhalb kommt, und weiß nicht wie und wo er etwas bekommen kann, dann sind wir durchaus eine große Hilfe.“ Immer ist sie auf der Suche nach neuen spannenden Orten für einen Filmdreh: „Man erfasst ein Motiv und fotografiert es.“ Einen Bauernhof auf dem Land zum Beispiel, der landet dann in der Datenbank. Doch „wenn sich dann zwei Jahre später ein Interessent meldet, kann es sein, dass der Hof inzwischen umgebaut ist, ein Solardach  hat oder – was auch schon vorgekommen ist – kürzlich abgebrannt ist. Man kann sich also nicht auf ein einmal registriertes Motiv verlassen sondern muss eigentlich immer wieder neu suchen.“

Tiere bis unters Dach Folge 71, Dreharbeiten im Sommer 2016 in Heuweiler. Tabea Hug führt als Darstellerin Pauline Pferd Mozart mit Phillis Lara Lau. Julia Jäger und Nele Guderian schauen zu. © Maria Wiesler/SWR

Neue Locations entdeckt Kristina Müller gelegentlich beim Joggen, wie etwa ein Haus in Freiburgs Stadtteil Herdern, das dann für den Film „Meine Schwester und ich“ drei Wochen angemietet und in Beschlag genommen wurde. „Da laufen 40 Filmleute drei Wochen lang im Haus auf und ab.“ Man riet den Besitzern, sich eine andere Unterkunft zu suchen. „Doch die haben das als großen Spaß empfunden, wollten unbedingt drin wohnen bleiben und haben abends mit dem Filmteam in der Küche noch zusammen gesessen und ein Glas Wein getrunken.“ Für alle Beteiligten war es ein schönes Erlebnis.
Gelegentlich ist vor Dreharbeiten auch Aufklärungsarbeit vonnöten, etwa, wenn es um eine Verfolgungsjagd mit Pistolen geht: „Das stellte sich das Team recht einfach vor – man kann aber nicht einfach so durch die Stadt rennen und sagen: ich film‘ das jetzt mal“. Andere Filmprojekte erfordern genaueste Vorbereitung, wie ein Szenario für einen Film, der in vergangenen Zeiten spielen sollte: „Wie gestalte ich die Straßen mit Sand, damit der Asphalt nicht zu sehen ist? Wie baue ich moderne Laternen zurück, damit sie nicht im Bild zu sehen sind? Oder wie lasse ich die Fahrradpflöcke verschwinden?“ Nicht zu vergessen, der Aufwand, um die Erlaubnis der verschiedenen Ämter einzuholen.
Für Kristina Müller waren die Behördengänge dennoch nicht ganz umsonst, als der historische Film nicht zustande kam. „Man hat wieder neue Erfahrungen gesammelt und etwas gelernt, neue Leute kennen gelernt und das Netzwerk ausgebaut.“ So ein breites Spektrum an unterschiedlichen Aufgaben erfordert profunde Kenntnis der lokalen Gegebenheiten und die Nähe zu den beteiligten Institutionen.
Deshalb hatte man sich bei der Landesfilmförderung in Stuttgart, der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg (MFG) schon frühzeitig dafür entschieden, die Film Commissions dezentral einzurichten und regionale Partner dafür gesucht, vorwiegend bei Tourismusbehörden oder bei den regionalen Industrie- und Handelskammern, wie Robert Gehring von der MFG erklärt. In Freiburg war es die FWTM, die Freiburg Wirtschaft Messe und Touristik GmbH, mit der man sehr schnell einig wurde und so konnte das Freiburger „Location Office“ schon 2003 seine Arbeit aufnehmen.

In Freiburg ist man zufrieden. Film- und Dreharbeiten haben für FWTM-Chef Bernd Dallmann „eine Vielzahl an positiven Effekten“. Er denkt dabei auch an die „Erhöhung der Auslastung verschiedener Unternehmen der Hotellerie, Gastronomie und sonstiger Dienstleistungen in Freiburg und der Region“ durch die Filmteams. Durch mehr Dreharbeiten finden auch Filmschaffende aus der Region mehr Arbeit.
Jobs im Bereich Szenenbild, Kostümbild, Maske, Produktionsleitung können mit Filmschaffenden aus Freiburg und der Region besetzt werden. Und mehr: bei der ARD-Kinderserie „Tiere bis unters Dach“ die schon seit acht Jahren in Freiburg und Umgebung gedreht wird, konnten sich einige aus dem Team während der vielen Produktionsjahre vom Fahrer bis zum Aufnahmeleiter hochqualifizieren, sagt Kristina Müller. Durch die bundesweite Ausstrahlung der Fernsehproduktionen zur besten Sendezeit im Abendprogramm gelinge es, sagt Dallmann, den Bekanntheitsgrad von Freiburg und seiner Region weiter zu steigern und den Film- und Medienstandort für Produzenten noch interessanter zu machen.

Auch wenn sich der Erfolg nicht direkt in Zahlen greifen lässt, klar ist, dass eine Präsenz im Fernsehen auch den Tourismus belebt. Kristina Müller bemerkt diesen Effekt, wenn sie Anfragen von Touristen erreichen, die sich nach Drehorten erkundigen, wie etwa nach der Adresse eines Freiburger Delikatessengeschäfts, das sie im Fernsehfilm „Ein Mann zum Vernaschen“ gesehen hatten. Die Leute mussten zwar enttäuscht werden, denn das Feinkostgeschäft aus dem Film war in Wirklichkeit ein Antiquitätengeschäft, das eigens für den Film umgebaut war. Vermutlich werden sie ihren Freiburg-Besuch aber trotzdem genossen haben.

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