VdU: Kleines Lager, riesiges Sortiment

Einen Online-Shop mit einer Palette von mehr als 100.000 Produkten kann man durchaus aus einem Haus managen, das mehr als Familienwohnheim denn als Firmenzentrale dient. Das beweisen Tabea Seibold und ihr Ehemann erfolgreich mit zahnriemen24.de

Daniel Ruda

In einem Wandregalsystem liegen der Größe nach geordnet einige zusammengefaltete Kartons. Auf den Tischen darunter ein paar weitere Kartons sowie Bildschirm und Drucker, auf der anderen Seite ein abgestelltes Fahrrad und eine leere Palette. Ansonsten nicht viel mehr zu finden in diesem rund 50 Quadratmeter großen Raum in dem Haus im Industriegebiet im Freiburger Ministadtteil Lehen.

Und doch stellt er für Tabea Seibold so etwas wie das Highlight beim spontanen Rundgang durch die neuen Geschäftsräume von Antriebstechnik Ebner-Seibold dar. „Das hier ist unser Lager, mit Rolltor“, sagt die Co-Geschäftsführerin der Firma, die als Online-Fachhändler für mechanische Antriebstechnik mit dem Shop zahnriemen24.de agiert. Drei Wochen ist es da gerade her seit dem Umzug. Aus 70 Quadratmetern Bürofläche in einem sechsten Stock in Freiburg-Zähringen, „das wurde da einfach viel zu eng“, ist ein 180 Quadratmeter großes Erdgeschoss geworden.

Dass jenes beim spontanen Rundgang hervorgehobene neue Lager a) so klein und b) quasi leer ist, wäre bei der enormen Produktpalette des Webshops eigentlich absurd, wäre es nicht c) genau so vorgesehen. Zahnriemen, Keilriemen, Rippenriemen, Transportbänder, Räder, Scheiben und vieles andere: Nimmt man alle einzelnen Produkte aus dem Webshop mitsamt ihren zigfachen Konfigurationsmöglichkeiten, kommt man auf eine Anzahl jenseits der 120.000. Unmöglich, diese Massen als kleiner Betrieb zu lagern. „Bestellt ein Kunde bei uns ein Produkt, bekommen wir es von einem Großhändler und schicken es direkt zum Kunden“, erklärt Tabea Seibold das Konzept.

Dutzende Pakete kommen täglich an, daraus werden für den direkten Weiterversand im Schnitt 150 Sendungen vom kleinen Luftpolsterumschlag bis zum großen Paket vor allem für Privatkunden. Das kleine Lager ist der Umschlagsplatz dafür. Gerade geht mit dem beginnenden Frühjahr die Hauptsaison für Bestellungen los: „Bastler und Frickler brauchen wieder Material, um beispielsweise einen Rasenmäher selbst zu reparieren“, kommentiert es Seibold später in einem Besprechungsraum.

Was es im Lager nicht gibt, steht dort wie drapiert in einer Vitrine: Ein paar verschiedene Riemen und andere Produkte, die im Webshop verkauft werden. „Es gibt unendlich viele Einsatzorte dafür. Im Grunde überall, wo etwas bewegt werden muss“, erklärt Seibold, nennt einen Aufzug als Beispiel und referiert über weitere technische Details und Eigenheiten der Produktpalette, die eines mit Absicht nicht umfasst: Zahnriemen für DEN Einsatzort, an den die meisten zuerst denken: Autos.

„Das ist einfach ein anderes Metier. Wir sind ein reiner Industriehandel und haben hier unsere Fachkompetenz“, erklärt Seibold. Vor rund drei Jahren stieg sie als Co-Geschäftsführerin fest in die Firma ihres Ehemanns Michael ein, an deren Wachstum sie auch beteiligt war. Sowohl die Firma als auch die Beziehung der beiden gebürtigen Stuttgarter feiern in diesem Jahr Zehnjähriges. „Boxen standen oft im Wohnzimmer herum“, erinnert sie sich. Seit 2014 ist das Paar verheiratet und nicht mehr Stuttgart, sondern Freiburg ist der gemeinsame Lebensmittelpunkt.

Der Entschluss, den Hauptberuf als studierte Sozialarbeiterin  aufzugeben, zuletzt war sie Teamleiterin in einer Freiburger Einrichtung für Geflüchtete, war kein einfacher Schritt. „Jetzt Unternehmerin zu sein ist herausfordernd und einfach etwas ganz anderes als mein vorheriger Beruf“, und wenn man als Paar gemeinsam eine Firma führe, dann sei die Balance zwischen Beruflichem und Privatem manchmal nicht immer einfach herzustellen. „Aber die Vorteile überwiegen. Es ist schön, unternehmerisch etwas gestalten zu können“ betont sie.

„Meine Aufgabe ist es, hier weitere Strukturen zu schaffen“, sagt die Jungunternehmerin. Das Geschäft laufe schließlich gut. Der Umsatz wächst stetig, zuletzt lag er bei knapp einer Million Euro. Zehn Teilzeit-Angestellte arbeiten für zahnriemen24. de, darunter auch zwei Programmierer, die den komplexen Webshop benutzerfreundlich gestalten. Zudem werden Kunden am Telefon direkt beraten. Rund 25.000 Besucher zählt der Webshop pro Monat, der durchschnittliche Wert bei bislang rund 2.500 Bewertungen liegt bei 4,89 von 5 Sternen. „Darauf sind wir natürlich besonders stolz.“

Die Belange der Mitarbeiter liegen Tabea Seibold besonders am Herzen. „Wir sind ein kleines Team und da muss es menschlich passen.“ Die Firma unterstütze auch soziale Projekte, Vorschläge dazu kommen von den Mitarbeitern, erzählt die ehemalige Sozialarbeiterin, die im Freiburger Bündnis gegen Depression e.V. aktiv ist. Seit etwas mehr als einem halben Jahr ist Seibold auch Mitglied im Verband deutscher Unternehmerinnen (VdU). „Ich habe Austausch gesucht“, da sie selbst noch nicht sehr lange in der Rolle der Unternehmerin ist, könne sie sich hier mit anderen Frauen über eben jene neue Rolle unterhalten und Impulse für den Arbeitsalltag mitnehmen.

„Es ist jedes Mal spannend für mich“, umschreibt Seibold die Treffen und Events. Besonders vom einjährigen Mentorinnenprogramm, an dem sie aktuell teilnimmt, profitiert Seibold: „Das ist extrem wertvoll.“ Befragt nach drei Schlagworten zum VdU sagt sie spontan „Austausch, Netzwerk“. Nach einer Denkpause entscheidet sie sich für einen dritten Begriff: Vorbilder.