Die Maertin und Co. AG mit Sitz im Freiburger Industriegebiet Nord beliefert als technischer Fachhandel vor allem Industrie-Unternehmen. Schon vor Corona war die Medizintechnik ein Kundenbereich, der stetig gewachsen ist. Für die Branche ist unter anderem Maertins Kunststoff-Können vielversprechend.
VON ANNA-LENA GRÖNER
Der gelernte Industriemeister Thomas Schneider leitet bei Maertin die Abteilung Kunststoff. Was einfach klingt, ist eine hochkomplexe Angelegenheit: Es gibt unzählige dieser synthetischen Werkstoffe, ihre Funktionen und damit Einsatzgebiete sind völlig unterschiedlich. Fragen, welche Temperaturen und Belastungen das Material aushalten müssen, sind überlebenswichtig – fürs Material wie auch für den Menschen.
„Gerade in der Medizintechnik gibt es Kunststoffe, die dürfen nur an den Körper und andere, die dürfen in den Körper“, sagt Schneider. Als Kunststoffexperte hilft der 48-Jährige den Kunden auch in Bezug auf Normen und Zertifizierungen, die in Amerika andere seien als auf dem europäischen Markt. Ein weiterer Vorteil: die eigene Konstruktion im Haus. Hier können für Kunden erste Prototypen via 3D-Konstruktion gefertigt werden.
Ansonsten arbeitet das Familienunternehmen über eine „verlängerte Werkbank“, also mit Firmen zusammen, die für Maertin fertigen und produzieren. Dabei würden Arbeiten ausschließlich regional vergeben, so Schneider. Auch die Kunden kämen hauptsächlich aus einem Umkreis von etwa 100 Kilometern. Das Komplettpaket des Freiburger Fachhändlers: „Statt einen Ingenieur aufsuchen zu müssen und einen Hersteller für die Materialsuche zu finden, decken wir alles ab. Wir wissen über Verarbeitung und Umsetzung Bescheid und sind auch in der Konstruktion dabei.“
Alle wollen Kunststoff
Seit Beginn der Corona-Krise hat sich bei Maertin einiges geändert. Durch den gesteigerten Bedarf an speziellen Kunststoffen und Fertigteilen konnte man in den vergangenen Monaten als Systemlieferant viele neue Medizintechnikhersteller gewinnen. Auch die Nachfrage nach bestimmten Produkten hat sich verändert. Um dieser Nachfrage nachzukommen, wurde der Ein-Schicht-Betrieb, im Lager wie im Vertrieb, auf einen Zwei-Schicht-Betrieb umgestellt.
Die Abteilung Arbeitsschutz wurde beinahe überrannt, Schutzmasken und Desinfektionsmittel waren wie überall kurz nach Einbruch der Krise nicht mehr vorrätig. Statt Profit zu schlagen und an den Meistbietenden zu verkaufen, hielt Maertin den Stammkunden die Treue und liefert die begehrten Materialien weiterhin an sie. Generell sei man mit seinen Verkaufspreisen fair geblieben, „dieses Feedback haben uns auch unsere Kunden gegeben“, sagt Thomas Schneider. Vor allem ein Produkt hat beim Familienunternehmen in den letzten Monaten für deutlich mehr Arbeit gesorgt: Spuckschutzvorrichtungen.

Die Kunststoffscheiben kommen besonders im Einzelhandel, in Arztpraxen oder im Lebensmitteleinzelhandel zum Einsatz. „Ein wahnsinniger Mehraufwand, der logistisch gemeistert werden muss“, sagt Schneider. So ist Maertin aktuell auch an der Entwicklung von Schutzvisieren aus Polycarbonat beteiligt, für die das Unternehmen Experte in Materialfragen wie Beschaffer ist. „Die Problematik ist, an besagtes Material zu kommen“, sagt Thomas Schneider. Neue Lieferanten mussten gefunden werden, die noch Passendes auf Lager hatten.
Dabei in der Region fündig zu werden, war eine große Herausforderung, die man letztlich gemeistert hat. Auch das ein Mehraufwand. Zudem habe man gleich vorausschauend und damit deutlich mehr als sonst eingekauft. „Wir haben uns rechtzeitig gekümmert und sind viel in Vorleistung gegangen“, sagt der Industriemeister. Bisher habe sich alles ausgezahlt und gut funktioniert, es gebe noch keine Lieferschwierigkeiten. Ganz wichtig in diesen Zeiten: „Unser gutes Netzwerk“, sagt Schneider. „So können wir auch relativ kurzfristig große Aufträge umsetzen.“