E-Logistik: Erfolgsmodell abseits der Autokonzerne

Der elektrische Streetscooter, einst auf kuriose Art für die Post entwickelt, findet jetzt auch in Südbaden in die lokale Logistik.

Von Rudi Raschke

Auf der Freiburger Automobil-Messe war es unübersehbar: Ein großer Hallenteil im Bereich des Stands von ernst+könig war für den Streetscooter reserviert, der in Kooperation mit dem Autobauer Ford die Version „Work XL“ fertigt. Sascha Boos vom Fordhändler ernst+könig findet das Fahrzeug vor allem mit Blick auf das Lieferthema in Städten „spannend“, er verbindet es aber auch als Handwerker- und als kommunales Fahrzeug mit einer hohen Glaubwürdigkeit, wenn es um umweltbewusstes Handeln geht.

Boos deutet an, dass lange keine Mitbewerber für den Streetscooter in Sicht waren, erst langsam kommen große Autokonzerne mit vergleichbaren Modellen. Überhaupt ist die Geschichte des Scooters bis zur Kooperation mit Ford mehr als eigenwillig: Die Post stieg 2014 in das Start-up-Projekt der RWTH Aachen ein – weil sich kein namhafter deutscher Autohersteller einfand, der ihrem Wunsch nach einem E-Logistikfahrzeug mit einer Entwicklung nachkommen konnte.

Die Post entwickelte es dagegen nicht nur für eine knapp fünfstellige Zahl ihrer eigenen Flotte, sondern auch für den Handel weiter. Bis es zur Kooperation mit Ford kam, war es insgesamt keine Heldengeschichte der deutschen Autoindustrie. Mal wurde Mercedes überführt, wie es mit einer Tarnadresse einen der Streetscooter auslieh – von der in Sachen Adressen nicht eben ahnungslosen Deutschen Post war ein GPS-Sender angebracht worden, der schließlich Rundfahrten in Untertürkheim aufzeichnete.

Mal seien die Fahrzeuge in „etablierten“ Werkstätten so gewartet worden, dass mögliche Unfälle nach schlechter Wartung der Post angekreidet hätten werden können, wie der „Spiegel“ berichtete. Und schließlich habe es beim Kraftfahrt- Bundesamt Zulassungsprobleme wegen des angezeigten Funds von 1,6 Gramm Blei gegeben. Inzwischen ist der Streetscooter im DHL-Einsatz etabliert, es gibt ihn auch in Südbaden mit Pritschen- oder Kühlwagenaufbauten, insgesamt, sagt Sascha Boos, seien fünf Varianten denkbar. Das Gefährt verstehe sich ausdrücklich als Werkzeug, nicht als Fahrzeug, sagt er. Und nicht zuletzt weist man bei ernst+könig darauf hin, dass sowohl von Städten als auch vom Land eine Bezuschussung im Zuge der Luftreinhaltung möglich ist.