Für Daniela Engist war die Schweiz viele Jahre Ziel und Zwischenraum. Sie pendelte täglich von ihrem deutschen Wohnort Freiburg nach Basel zum Arbeiten. In ihrem Buch „Mein Basel“ erzählt sie von dieser besonderen Erfahrung des Unterwegsseins als Grenzgängerin und von ihrer Ortserkundung der Stadt am Rheinknie. Ein Auszug.
Text: Daniela Engist
Das Verkehrsmittel meiner Wahl war der ICE, in nur vierzig Minuten zur Arbeit. Schnell, bequem, sicher. Je nach Perspektive ein akzeptabler Arbeitsweg – da lachen die Berliner nur oder die Londoner oder Marty aus New York. Zugegeben, ein bisschen Schönrederei ist dabei. Von Haustür zu Haustür gerechnet, also vom Aufschließen des Fahrrads in der Garage über die Fahrt zum Bahnhof bei Wind und Wetter und im engen Rock mit Stöckelschuhen und der nervigen Parkplatzsuche – ja, auch Fahrradparkplätze können verdammt rar sein – und dem kurzen Fluch, weil man sich mal wieder an den nassen Reifen oder der öligen Kette beim Abschließen eingesaut hatte, und der langen Schlange beim Bäcker, in die man sich ungeduldig einreihte, um den dringend benötigten Kaffee zu bekommen, den man sich zu Hause verkniffen und lieber noch mal auf die Snooze-Taste des vor sechs Uhr klingelnden Weckers gedrückt hatte, und dem von Jahr zu Jahr schlimmer werdenden Gedränge, dem Hauen und Stechen um einen Sitzplatz um sieben Uhr morgens, bis zum strammen Spaziergang in die Grenzacherstraße, auch in Stöckelschuhen, so gerechnet also dauerte der Arbeitsweg dann doch über eine Stunde. Ein Weg. Wäre das Auto eine Alternative? Das muss man wohl mit einem entschiedenen „vielleicht“ beantworten. Es gibt viele gute Gründe, sich gegen das Autopendeln zu entscheiden. Ganz sicher aber hätte ich dann heute ein paar Freunde weniger. WEITERLESEN…

Daniela Engist: Mein Basel – Die Bewegte Stadt Literarisches Porträt, 8Grad Verlag
168 Seiten, 24,00 Euro
Daniela Engist (Jahrgang 1971) wurde in Mutlangen geboren und lebt heute in Freiburg. Sie studierte Germanistik, Anglistik und Musikwissenschaft, promovierte in Linguistik und arbeitete zunächst als Kommunikations- und PR-Managerin, bevor sie freie Schriftstellerin wurde. Grenzgängerin war sie dabei mehr als einmal: als sie aus Schwaben nach Baden umzog, ebenso wie beim Schritt aus dem akademischen Elfenbeinturm in die Welt der Wirtschaft und von dort in die Schriftstellerei.

Lesungen mit Daniela Engist:
- 17. Oktober 2026: Buchhandlung zum Wetzstein, Freiburg
- 4. November2026: Goethe-Institut, Freiburg