Gründung: Laser statt Tusche

Dotscene aus Freiburg erstellt Gebäudepläne mit einem neuartigen Scanner.

Von Philipp Peters

Während viele junge Unternehmen in den ersten Monaten oft händeringend nach Kunden suchen, sich dabei die Fersen abwetzen, bis alle Klinken geputzt sind, hatten Nikolas Trusch und Maryan Wieland ein anderes Problem. „Nach zehn Tagen haben wir die Kaltakquise abgebrochen“, erinnert sich Trusch. „Sonst wären wir nicht hinterhergekommen.“ Mit ihrer 2016 gegründeten Firma Dotscene haben die beiden Freiburger einen Nerv getroffen, eine Lücke geschlossen. Heute hat das nicht mal zwei Jahre alte Unternehmen schon sechs Mitarbeiter – und immer noch viel zu tun.

Dotscene erstellt präzise 3D-Computermodelle von Gebäuden – von innen und außen. Dazu nutzt das Unternehmen einen neuartigen Laserscanner, den man einfach in der Hand halten und durch den Raum drehen oder per Drohnenflug in die Luft schicken kann. So entstehen in relativ kurzer Zeit präzise Abbilder von Hochhäusern, Schwarzwaldhöfen oder anderen Gebäudekomplexen. Ein Prozess, der vormals ein oder zwei Tage dauerte, wird mit der Dotscene-Technik auf wenige Stunden reduziert. Und somit auch günstiger. Nikolas Trusch ist gelernter Fotograf, Maryan Wieland Wirtschaftsingenieur.

Bereits vor fünf Jahren haben die beiden zusammen eine Firma gegründet, die per Drohne Fotos und Videos produziert. Hangwind heißt sie. „Da kamen dann auch mal Anfragen, ob wir Flächen erfassen können“, erinnert sich Wieland. Doch per Drohne und mit konventioneller Technik war das schlicht zu aufwändig. Dann halfen die Kontakte zur technischen Fakultät der Uni Freiburg. Die beiden Freiburger Forscher Wolfram Burgard und Michael Ruhnke hatten mit dem in Freiburg entwickelten Laserscanner genau das Puzzleteil, das dem Duo noch fehlte. Andreas Wachaja komplettiert als Chef-Entwickler das Gründer-Quintett.

Im operativen Tagesgeschäft treten aber vor allem Trusch und Wieland auf. Der Sensor schießt pro Sekunde 200.000 Punkte in den Raum. Wenn man sich bewegt, legt er gleiche Punkte übereinander und lässt so ein ganzes Bild entstehen. Am Computer können die Daten dann aufbereitet werden, etwa in CAD-Daten, wie sie von Architekten, Bauunternehmen oder Hausverwaltungen verarbeitet werden können.

Die von Dotscene erstellten Gebäudeund Raumpläne sind bis auf wenige Zentimeter genau und somit oft deutlich präziser als die alten Tuschezeichnungen, die sich in den Archiven finden. Zudem liefern sie komplexe Strukturen, zeigen etwa, wie dick Wände und Decken sind. Aktuell hat Dotscene nur einen Laser- Scanner im Einsatz. Die Hälfte der Zeit ist dieser auch unterwegs. „Die Handhabung ist kinderleicht“, sagt Wieland. „Wenn ich Ihnen das kurz erkläre, könnten Sie ihn selbst bedienen.“

Doch natürlich geben die Unternehmer das gute Stück nur ungern aus der Hand. Und nach dem Einsammeln der Daten geht es dann daran, aus der Laserpunktwolke das fertige Gebäude zu filtern. Auch das macht das Unternehmen mit einer eigenen Software, bis der Kunde dann sein Gebäude auf Papier und digital zu sehen bekommt.