Heimvorteil: Geschäftsmodell Netzwerken

Freiberufler und Unternehmer bieten ihre Leistungen innerhalb eines Geflechts von Partnern an: „Heimvorteil – das Netzwerk für Kommunikation“ aus Freiburg ist eine gut funktionierende Businessidee – gegründet von Tanja Santner.

Von Katharina Müller

Schon allein der Raum wirkt: Lichtdurchflutet, hell – das hölzerne Gebälk bildet einen stilvollen Kontrast zu den stylischen Möbeln regionaler Hersteller. Reinkommen, wohlfühlen, ein langer Besprechungstisch mit Bürostühlen erzeugt Businessflair. Hier im „Denkraum Freiburg“ sitzen die Kunden von Tanja Santner zusammen mit ausgewählten Partnern ihres Netzwerks, seien es Texter, Grafiker, Webdesigner sowie Event- oder Projektmanager.

Auch die Umsetzung von Medien, die Organisation von Fortbildungen und Workshops, die außerhalb der gewohnten Umgebung, in schönen Räumlichkeiten stattfinden sollen, ghört zu den Leistungen, die das Netzwerk anbietet. 2009 gründete die lebhafte Freiburgerin Tanja Santner „Heimvorteil – das Netzwerk für Kommunikation“, das sich nicht darin erschöpft, gemeinsam bei Fingerfood Smalltalk zu machen.

Bei ihr ist Netzwerken zum Geschäftsmodell geworden, mit konkreten Ergebnissen im Dienstleistungsbereich, die einer Agentur gleicht. Vor acht Jahren war die Form, die sie wählte, noch ungewöhnlich, heute sind es jedoch zahlreiche Vorteile, die eine solche Flexibilisierung mit sich bringen: Es gibt keine festen Angestellten beim „Heimvorteil“, sondern verschiedene Partner mit unterschiedlichen Kompetenzen und damit eine Bandbreite an Leistungen, um ganz unterschiedliche Kundenwünsche abzudecken. Zudem sind den Netzwerkpartnern die Region und die heimischen Märkte bekannt.

Das fundierte Wissen über die Mentalität hier, ist ein wichtiger Faktor bei regional angelegten Werbekampagnen beispielsweise, sagt Tanja Santner. Sie erklärt aber auch, dass es nicht selbstverständlich ist, dass dieses Modell so funktioniert: „Alle Netzwerkpartner bei uns – und darauf können wir gar nicht verzichten –, besitzen eine konsequente Dienstleistungsmentalität.“

Diese Haltung müsse Einstellungssache aller sein, betont Santner. Erstmal geben, statt nur zu nehmen. Und ohne direkt daran zu denken, was der eigene Vorteil dabei sein könnte. Denn Erbsen zählen und das Aufrechnen von Mithilfe zum Funktionieren des großen Ganzen haben im Netzwerkgedanken keinen Platz. „Konstruktion statt Konkurrenz“, sei eines der Leitbilder von Heimvorteil. Denn die Netzwerkpartner seien nicht verpflichtet, sich gegenseitig Aufträge zu vergeben.

Es ist wichtiger, dass Kunde und Dienstleister zusammenpassen, um in einer guten Zusammenarbeit effiziente Ergebnisse zu erzielen. Daher sei sie bei Heimvorteil übergegangen, auch „Empfehlungen“ über das Netzwerk hinaus auszusprechen. Im Kundenstamm vertreten sind große regional ansässige Familienunternehmen, kleine Betriebe, wie auch Startups. Mit der Initiative „Freiburg für Freiburg“, die Santner mit Ihrem Netzwerk ins Leben gerufen hat, engagieren sich Heimvorteil-Partner ehrenamtlich für Projekte gegen Armut in Freiburg.

Unter dem Slogan „Zämmehalde un´s Fiedle lupfe“ (Alemannisch für: sich aufraffen und gemeinsam etwas bewegen), biete die Initiative eine Plattform für soziale Projekte zur Präsentation und somit für potentielle Unterstützer den direkten Zugang zu sozialem Engagement. Santner ist zwar erst seit einigen Monaten beim Verband deutscher Unternehmerinnen Mitglied – die einjährige Probemitgliedschaft allerdings, um darüber nachzudenken, ob sie später beitrete, habe sie schon gar nicht gewollt:

Entweder gleich, ganz, oder gar nicht. Bei ihr gibt es nur 150 Prozent. Das sagt sie nicht, sondern das merkt man. Sie ist ein Macher-Typ. Die studierte Geographin, mit den Nebenfächern Jura, Ethnologie und VWL, machte sich 2003 mit einer Veranstaltungsmanagement- Software selbstständig, kam zurück nach Freiburg und investierte hier in das Netzwerk und in den Ausbau jener Räume, die heute das adäquate Umfeld für kreative Ideen und gute Zusammenarbeit bilden. Interessanterweise sind solche Typen beim VdU häufig anzutreffen. Zahlreiche der Unternehmerinnen dort besitzen diese Einstellung und damit zusammen hängt vielleicht auch eine besondere Ausstrahlung: Herzlichkeit und Menschlichkeit, gepaart mit Professionalität, aber ohne Selbstdarsteller-Mentalität wie sie bei manchen Politikern anzutreffen ist. Eigenschaften, die man immer wieder bei selbständigen und erfolgreichen Frauen des VdU findet. Vielleicht kein Zufall, dass dieser Verband genau diese Charaktere vereint. Vielleicht aber auch jener Tatsache geschuldet, dass diese Menschen einfach „Netzwerktypen“ sind. Lebhafte Persönlichkeiten, die sehr gut mit anderen Menschen können und dieses Talent mit ihren Kompetenzen dann, wie Tanja Santner, erfolgreich zu ihrem Job machen.