Interview: Wohin geht die Reise?

Vom 8. bis zum 10. Februar findet im Konzerthaus in Freiburg das 16. Mundologia Festival statt. Reisereportagen, Fotoausstellungen, Workshops und Seminare werden erneut weit über 20.000 Besucher anlocken. Damit ist Mundologia das größte Reportage Festival Europas. Wir haben mit Gründer und Veranstalter Tobias Hauser über die Anfänge und das bevorstehende Festival gesprochen.

Von Anna-Lena Gröner

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Tobias Hauser, Gründer und Geschäftsführer der Mundologia

2004 fand das erste Festival im Bürgerhaus am Seepark statt, wie ist die Mundologia-Idee entstanden? 

Tobias Hauser: Die Idee entstand aus dem Wunsch heraus, auch in Freiburg erstklassige Vorträge zu veranstalten. Häufig waren zu diesem Zeitpunkt schlecht gemachte Produktionen zu sehen, das Interesse des Publikums war entsprechend zurückgegangen. Ich wollte eine Plattform für qualitativ hochwertige Live-Reportagen schaffen, Leute auf die Bühne bringen, die mit Leidenschaft und Können an einem Thema gearbeitet haben und beispielsweise das Land, über das sie berichten, intensiv bereist und genau recherchiert haben.

Wie sah die erste Mundologia aus?
Wir konnten mit der Berichterstattung im Vorfeld und den verschiedenen Werbemedien gleich zu Beginn großes Interesse wecken. Es kamen 4000 Besucher, alle Vorträge waren sehr gut besucht, ein Großteil sogar ausverkauft. Wir hatten damals vier Diaprojektoren und eine Leinwand in der Größe von 6 x 4 Meter. Heute im Konzerthaus kommt ein Beamer mit 20000 ANSI Lumen zum Einsatz, die Leinwand besitzt mit 14 x 8 Meter eine viermal so große Fläche wie damals.

Als privatwirtschaftliches Unternehmen im Kulturbereich erhält Mundologia keine Kulturförderung, wie finanziert man sich?
Wir hatten von Anfang an Sponsoren die uns mit Werbekostenzuschüssen unterstützt haben. Außerdem haben wir Kooperationen mit verschiedensten Partnern, die uns ideell und wirtschaftlich unterstützen, beispielsweise Medienpartnerschaften, die uns dabei helfen, die Mundologia noch bekannter zu machen.

Reisen ist heute wesentlich einfacher, das Teilen von Bildern ebenso. Was macht den Mundologia-Spirit nach wie vor aus?
Unser Publikum ist mit der Zeit immer offener auch für Themen geworden, die keine klassischen Reisevorträge und Länderporträts sind. Zum Beispiel für Reportagen über Afghanistan, über Kriegsfotografie und Umweltthemen, wie der Vortrag „Living Planet“ von Dirk Steffens. Die kommende 16. Mundologia wird von Heidi und Hans-Jürgen Koch eröffnet, ein Fotografenpaar, das mit ungewöhnlichen Tierreportagen international berühmt und für ihre einzigartige Sichtweise mit Preisen überhäuft wurde. Mit ihrem Vortrag „Das Tier – und wir!“ fallen sie aus dem üblichen Rahmen. Markus Mauthes Reportage, „An den Rändern der Welt“, ist ebenfalls kein klassischer Reisevortrag.

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Vortrag von Gereon Roemer „Mallorca – Insel der Stille“ Foto: Gereon Roemer

Der Umweltaktivist hat Urvölker in den unterschiedlichsten Regionen unserer Erde porträtiert und zeigt seine Bilder am Festivalsamstag im Konzerthaus im großen Rolf Böhme-Saal. Immer begeistern konnten sich die Zuschauer für Abenteuerreportagen und Extremsport. Ein Beispiel dafür sind die haarsträubenden Geschichten von Rüdiger Nehberg, der mit 83 Jahren am 24. November 2019 mit „Lagerfeuergeschichten“ im Paulussaal Freiburg zu Gast sein wird. Auf großes Interesse stoßen beim Publikum auch Berichte über sehr ungewöhnliche Weltreisen. Das Künstlerkollektiv Leavinghomefunktion ist mit seiner Reportage „Auf dem Landweg nach New York“, die ebenfalls auf der 16. Mundologia zu sehen ist, auf eine so große Nachfrage gestoßen, dass wir mit ihnen einen Zusatztermin am Freitag, 8. Februar um 16.30 Uhr im Konzerthaus Freiburg vereinbart haben.

Wie wählen Sie die Referenten aus?
Oberstes Kriterium ist für uns die Qualität. Dabei kommt es nicht nur auf gute Fotos an. Es gibt auch Referenten, die sind keine begnadeten Fotografen, haben aber wirklich etwas zu erzählen und besitzen auf der Bühne eine fesselnde Art von ihren Erlebnissen zu berichten. Bestes Beispiel dafür ist vielleicht Rüdiger Nehberg. Für uns ist also eine gute Bühnenpräsenz und echte Weltkenntnis ebenso wichtig. Die Reportagen sollten außerdem authentisch sein und dabei Leidenschaft und Begeisterung für das jeweilige Thema und die Arbeit erkennen lassen.

Wir bekommen Bewerbungen zugeschickt, gehen aber auch aktiv selbst auf die Suche nach neuen, vielversprechenden Referenten. Da sich das zum Teil sehr schwierig gestaltet, haben wir zusammen mit zwei weiteren großen Veranstaltern die „Discovery Days“ ins Leben gerufen. Das ist eine Plattform für neue Talente, die jährlich in Laax in der Schweiz stattfindet. Newcomer können die Discovery Days als Sprungbrett für eine erfolgreiche Vortragskarriere nutzen. Wenn wir erkennen, dass jemand Potential besitzt, eine gute Story hat und diese auf der Bühne auch gut präsentieren kann, bieten wir bei der Produktion eines professionellen Vortrags Unterstützung an.

Mundologia engagiert sich seit Jahren für unterschiedliche Projekte und Hilfsorganisationen. Seit 2012 gibt es zudem den Mundologia-Preis und ganz neu ist auch die Umweltpartnerschaft mit Bad Dürrheimer. Was hat es damit auf sich?
Ja, wir unterstützen sehr unterschiedliche Projekte und Organisationen, 2018 beispielsweise “Operieren in Afrika e.V“. 2019 wird der mit 8.000 Euro dotierte Mundologia-Preis an AMAP Brasil gehen. Damit wollen wir die Arbeit des Vereins, der sich der Wiederaufforstung des Mata Atlântica-Tropenwaldes in Brasilien verschrieben hat, unterstützen. AMAP e.V. ist ebenso wie Bad Dürrheimer gleichzeitig Umweltpartner. Die Partnerschaft ist in unseren Augen sinnvoll, da wir gemeinsam mehr Ideen entwickeln können und stärker sind. Zusammen wollen wir einen Beitrag zum weltweiten Klima-, Wald- und Biodiversitätsschutz leisten und auch andere motivieren, dies zu tun.

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Die Künstlergruppe Leavinghomefunktion Foto: Mundologia

Welche Neuheiten wird es beim diesjährigen Mundologia-Festival geben?
Wir zeigen auf dem Festival nie Wiederholungen, die Vorträge sind immer zum ersten Mal in der Mundologia zu sehen. Mit der Eröffnungsveranstaltung „Das Tier – und wir!“ zeigen wir im großen Rolf Böhme-Saal zum ersten Mal eine fotojournalistische Arbeit, die nur sehr am Rand mit Reisen zu tun hat. Die Aufnahmen der Kochs heben sich erfrischend unkonventionell von der klassischen Natur- und Tierfotografie ab: Im Gegensatz zu dem traditionellen Genre enthalten ihre ideenreich, humorvoll und oftmals extrem aufwändig produzierten Reportagen meist auch eine soziologische Komponente.

Arbeiten dieser Art hätten wir vor einigen Jahren nur im viel kleineren Runden Saal gezeigt. Mittlerweile haben wir auch für solch ausgefallene Reportagen ein großes Publikum. Mit dem Vortrag „Bollywood – Mit dem Bollenhut durch die Welt“ von Flora Wenczel und Josef Weis haben wir diesmal auch einen sehr starken regionalen Bezug. Der Vortrag im Konzerthaus ist bereits ausverkauft. Aufgrund der großen Nachfrage gibt es einen Zusatztermin am Montag, 25. Februar 2019 im Bürgerhaus am Seepark. Zum ersten Mal ist auch eine Gemeinschaftsausstellung der Festival-Referenten zu sehen. 25 großformatige Aufnahmen werden in der Ausstellung „Fenster in ferne Welten“ gezeigt. Alle Bilder der Ausstellung werden am Sonntag, 10. Februar um 18 Uhr vor Ort versteigert. Der gesamte Erlös geht an AMAP Brazil zum Schutz des Mata Atlântica-Tropenwaldes.

Auf welchen Vortrag freuen Sie sich beim Festival 2019 besonders?
Ich freue mich besonders auf Leavinghomefunktion. Die Erlebnisse der jungen Künstlergruppe, die sie mit ihren Ural-Gespannen auf dem Weg durch den Osten nach New York erlebt haben, sind großartig, echte Abenteuer. Außerdem gehört „Mallorca – Insel der Stille“ von Gereon Roemer zu meinen Favoriten. Der Fotograf macht spektakuläre Landschaftsaufnahmen. Sein Focus auf Mallorca ist ein sehr ungewöhnlicher und eröffnet ganz neue Blickwinkel auf die Insel.

Mundologia Festival:
8.-10.Februar 2019
Konzerthaus Freiburg

Mundologia Reihe:
bis März 2019
in ganz Südbaden

Weitere Infos unter: www.mundologia.de