Mittagstisch: Auferstehung eines Klassikers

Freiburgs Eichhalde meldet sich nach einem Jahr zurück: mit feiner Küche aus Italien, die in Freiburg ihresgleichen sucht.

Von Rudi Raschke

Der alt-bürgerliche Stadtteil Herdern hat wieder ein Restaurant, das Qualität an den Kirchplatz bringt: Ende April wurde die Eichhalde neu eröffnet. Geführt wird das Restaurant jetzt von Sascha Weiß von der „Wolfshöhle“ mit dem süditalienischen Paar Valentina Tito und Federico Campolattano. Der Schwerpunkt, man ahnt es: gehobene Küche aus Italien.

Genau die fehlt in Freiburg ja auch: Gerichte mit wenigen, aber guten Zutaten, manches fein geschmort und zum Niederknien wie bei der Mamma, manches mit außergewöhnlicher Rezeptur und weit entfernt vom Minimalstandard, der in Freiburg mediterranes Flair simuliert. Die Eichhalde war lange Jahre als Sterne-Lokal von Karola Isele und ihrem damaligen Mann Matthias Dahlinger geführt worden, es folgte ein Bekenntnis zur raffinierten Einfachheit mit medienwirksamer Stern-Rückgabe, dann verließ Dahlinger 2016 die Eichhalde, zwei Jahre später sperrte Karola Isele im April 2018 den Laden schweren Herzens für immer zu.

 

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Innenansichten aus der neuen Eichhalde. Foto: A. Maier

Nach einem Jahr erstrahlt das Restaurant in neuem Glanz, der stylish und zeitgemäß, aber nicht übertrieben modisch daherkommt. Von der Decke hängen mundgeblasene Lampen, Stühle und Bänke sind in edlem braunen Leder gehalten, an der Wand hängt Großformatiges von Fotograf Michael Wissing und ein italienischer Spruch als gelbe Neon-Plastik, sinngemäß: „Die Welt gehört denen, die genießen.“

Das ist wie in vielen Trend-Restaurants ein hübsches Insta-Motiv, es ist aber wie einiges anderes in der neuen Eichhalde auch ein leichter Einstieg in die Kommunikation zwischen Personal und Gast. Dazu gehören auch die Kärtchen auf dem Tisch, deren Rückseite ein Glossar zur Speisekarte bildet: Das Menü selbst ist übersichtlich und fußnotenfrei, wer nachlesen mag, was „Bottarga“ oder „Genoveser Art“ bedeutet, findet es dort.

Die Karte zeichnet eine gute Auswahl aus, sie ist kein dicker Band, zwei Seiten reichen völlig: fünf Vorspeisen, fünf Pasta- Zwischengänge oder Risotto, zweimal Fleisch, zweimal Fisch, das passt. Mittags gibt es eine „Pasta des Tages“ zu 15 Euro, die an Karola Iseles frühere „Plat du jour“ erinnert. Es gibt allerdings kein Lunchmenü und es wird auch nicht ermäßigt mittags, 15 Euro sind der Einstiegspreis für einen Teller Nudeln.

Das können hausgemachte Orecchiette („Öhrchen“) sein, dazu ein gemischtes Fleischragout aus Rind, Schwein und Lamm nach Neapel-Art. Zu solchen Klassikern, als Vorspeise auch ein wunderbar feines Carpaccio mit leichter Thunfischsauce im Vitello-Tonnato-Stil, gesellen sich Gerichte, die es so beim Italiener ums Eck nicht gibt: Eine Pecorino-Käsesuppe zum Beispiel, die dank wenig Fett, aber etwas Zitrone und Minze fein sommerlich schmeckt. Aber auch ein feines Kalbsfilet, rosa-zart mit grünem Spargel.

Die Portionen sind gute Sattmacher, sie haben ihren Preis, sind aber im Vergleich mit vielen Mittagstischen in der Stadt ein echtes Uplifting für die Laune. Ebenfalls schön fürs Atmosphärische: Weil es in Herdern mit seinem gelassenen Konservatismus im Zweifel weniger spießig zugeht als in mancher Vegan-Ecke des Breisgau, ist die Flasche mit dem offenen Qualitäts- Schaumwein schon mittags ganz gut an den Tischen unterwegs.

Wie die Weinkarte überhaupt eine schöne Rundreise durch Italiens Weinwelt ermöglicht, auch mit einem Südtirol- Akzent und ausgewählten badischen Winzern. Obwohl es ein zurückhaltendes Soft-Opening gab, um den populären Standort langsam im Betrieb hochzufahren, findet die Eichhalde schon gleich von der ersten Woche an guten Anklang, gut die Hälfte der Tische ist zum Auftakt mittags belegt. Abends soll es schon zu spontanen Bremsmanövern gekommen sein, als Autofahrer die offene Tür gesehen haben.

Für die aktuell etwas durchhängende Ortsmitte des Viertels – traditionelle Läden stehen leer, der Metzger hat aufgegeben, der zuletzt schlechtbürgerliche „Weinberg“ auch – kommt die Re-Installation der Eichhalde zum passenden Zeitpunkt. Das Konzept passt wunderbar dorthin, Software wie Hardware sind gut konfiguriert.

Eichhalde
Stadtstraße 91, 79104 Freiburg
Tel: +49 (0) 761 58 99 29 20

Küchenzeiten:
Freitag bis Dienstag jeweils von 12 bis 15 und
von 18.30 bis 24 Uhr geöffnet, Mi./Do. Ruhetag

www.eichhalde-freiburg.de