Mittagstisch: Romantik-Hotel Spielweg in Münstertal

Nicht nur weil es diesen Monat ums große Aus- und Umsteigen gehen soll – es gibt auch kleine Fluchten, die sich hier in der Region aufdrängen. Ein Lunch-Ausflug in den Münstertäler „Spielweg“ gehört definitiv dazu.

Blick vom Freisitz auf den Branden. (Fotos: Ann-Kristin Mayer)

Es braucht nicht viel dafür, am besten ein Auto und einen freien Wochentag, nicht einmal zur klassischen Mittagszeit muss es sein, weil das „Mittagskärtle“ von 12 bis 17 Uhr durchgehend angeboten wird. Also am besten in Freiburg-Günterstal den Schauinsland rauf, wo sich ab der Abfahrt Richtung „Stohren“ der Verkehr der Cabrio- und Motorradausflügler praktisch in nichts auflöst. Allein gehts runter in die Serpentinen Richtung Münstertal, durchs offene Fenster duften Heu, Nadelholz und Wildblumen herein – das ist in 20 Minuten Entfernung von einer Großstadtmitte gar nichts so Selbstverständliches.

Draußen dann in der ersten Reihe vorm lang gezogenen Haupthaus des „Romantik Hotels Spielweg“ an der Hauswand Platz zu finden, fühlt sich im Hochsommer ein wenig wie ein Sitzplatz im Paradies an. Mit Blick auf satt grüne Hangwiesen am „Branden“ gegenüber, auf die Gärten der Familie Fuchs mit Lavendel und Oleander, an einem der wenigen Orte deutschlandweit, wo selbst Geranien nicht spießig ausschauen.

Asien trifft Schwarzwald: Dim-Sum mit Wildschwein aus eigener Jagd.

Die Karte verzeichnet ebenfalls einige Klassiker, die hier in schönerem Licht erscheinen, der Flammkuchen etwa (ab 14 Euro). Aber auch Vesper, bei denen vor allem der eigene Käse des Hauses (kommendes Jahr gibt es die Spielweg Käserei seit 25 Jahren) und die Wurst im Mittelpunkt stehen.

Die Schwestern Kristin und Viktoria Fuchs führen das Haus nunmehr in der sechsten Generation seit 1861 und sie tun dies mit einer an allen Ecken spürbaren Freude und Lebenslust, die zeigt, dass Tradition im Schwarzwald eben nicht nur zentnerschwerer Ballast sein muss.

Moderne Lounge-Gestaltung.

Die warmen Vorspeisen und Hauptgerichte hat die für die Küche zuständige Viktoria Fuchs mit asiatischen Einflüssen angereichert. Mancher mag erstaunt sein, wenn er ein Dim- Sum mit Wild aus der Jagd des Vaters Karl-Josef Fuchs bestellt (14,50 €), aber hey, warum auch nicht – die gedämpften Teigtäschle im Bambuskorb sind jedenfalls eines der Highlights dieses Mittagstischs. Aber auch das Carpaccio vom Hinterwälder Rind (15,50 €) ist alles, nur nicht hinterwäldlerisch. Und kommt im Vergleich mit manchem Italo-Bluff auch ganz ohne Balsamico-Geschmier aus, ein paar Pinienkerne, Rucola, Parmesan, fertig ist eine gehaltvolle Sommervorspeise.

Hauptgerichte wie das Steak vom Weiderind (28 €) sind wie die Forelle aus der Wutach (24 €) sehr gut gebraten, die Beilagen wie Salat oder Spinat und Dampfkartoffeln solide. Je nach Hunger können Gerichte gegen einen Mini-Aufpreis fürs Gedeck, das selbstgemachte Brot mit Frischkäse, Landbutter und Radiesle auch geteilt werden. Die Karte mit Empfehlungen von Kristin Fuchs ist mit „Getränke für alle Lebenslagen“ überschrieben und genau das gehört zum Spaß im „Spielweg“ dazu: Dass er mal in Form von drei Vierteln frischgepresstem Apfel-Karotte-Orangen-Safts auftauchen kann – aber auch als Flasche Rosé von Martin Waßmer.

Das Hotel-Schwimmbecken.

Ein Mittag im Spielweg steht ebenfalls allen Lebenslagen offen – egal ob die Kinder mit dabei sind oder schon aus dem Haus, ob langjährige Partner eingeladen werden oder frische Flirts. Für ein Treffen mit Geschäftspartnern ist der Ort jedenfalls fast zu schade.

Denn ein wenig drängt sich fast die Verlängerung der Sommerfrische dort auf. Warum nicht einen späten Mittagstisch mit etwas Wellness am Naturbach oder im herrlichblauen Freibad des Hotels fortsetzen, die Übernachtung gibt es sommers ab 145,- Euro. Später noch ein Teller Wildschweinwürste oder einen ebenfalls von den Fuchsens gefertigten Gin – schöner kann der hausgemachte Ausstieg für einen Tag eigentlich nicht sein.

Text: Rudi Raschke

Alte Käserei-Accessoires.

In der gedruckten Version dieses „Mittagstischs“ ist uns der Fehler unterlaufen, dem „Spielweg“ einen Michelin-Stern zu verleihen, den es nicht gibt. Wir bitten das Versehen nach einem Recherche-Durcheinander zu entschuldigen und haben es hier korrigiert.