Profifußball hilft vielen

Immer mehr Geld bringen die 36 Vereine der beiden höchsten deutschen Spielklassen inzwischen für soziale Zwecke auf. Auch beim SC Freiburg, wo das Credo des Engagements lautet: „Mehr als Fußball“.

Ob das aber genug ist, angesichts der enormen Transfersummen und Spielergehälter wird diskutiert. Muss der Fußball nicht mehr an die Gesellschaft zurückgeben? Auf einer Podiumsdiskussion
am 31. Mai in Freiburg im Vorderhaus liefert dieses Thema einigen Gesprächsstoff. Titel der Veranstaltung: „Der Ball ist reich. Der Profi-Fußball und sein gesellschaftliches Engagement.“
Der Entritt kostet 6 Euro, der Erlös kommt SolidarEnergie e.V. zugute, einem Freiburger Förderverein zur Unterstützung kultureller und sozialer Projekte. Moderation macht Christoph Biermann (11 Freunde, Chefredaktion), die Teilnehmer sind Ronny Blaschke, (Journalist und Buchautor), Jürgen Griesbeck (Streetfootballworld, Geschäftsführer), Stefan Kiefer (Bundesliga-Stiftung, Vorstandsvorsitzender) angefragt, zudem Oliver Leki (Sport-Club Freiburg e.V., Vorstand).

Ein Artikel von Daniela Frahm

Im Fußball wird viel Geld verdient, sehr viel Geld sogar. Die Tendenz ist steigend. Demgegenüber fällt das freiwillige gesellschaftliche Engagement der Vereine und Spieler vergleichsweise gering aus – aber auch hier gibt es einen Aufwärtstrend. Nach einer kürzlich von der Bundesliga-Stiftung vorgestellten Studie haben die Bundesliga-Stiftung, die 36 Bundesligisten und diverse Stiftungen aktueller und früherer Spieler in der vergangenen Saison insgesamt 450 Projekte und damit über eine Million Menschen – darunter 825.000 Kinder und Jugendliche – mit rund 28 Millionen Euro unterstützt. Das sind 40 Prozent mehr als vor drei Jahren, als diese Studie zum ersten Mal in Auftrag gegeben wurde.

Die 36 Erst- und Zweitligisten würden sich demnach mit 0,67 Prozent ihres Umsatzes engagieren, das sei das Vierfache im Vergleich zu mittelständischen Unternehmen mit ähnlicher Wirtschaftskraft, erklärte Stefan Kiefer, Vorstand der Bundesliga-Stiftung. Der Mäzen und Investor der TSG Hoffenheim, Dietmar Hopp, der über seine Stiftung jährlich rund 70 Millionen Euro verteilt, ist der Ansicht, dass die Deutsche Fußball-Liga das gesellschaftliche Engagement in die Lizenzierungsverfahren aufnehmen sollte und hält drei Prozent des Jahresumsatzes für soziale Initiativen für angemessen, auch wenn das „einen Aufschrei geben könnte“.

Das finanzielle Engagement der Bundesligisten falle sehr unterschiedlich aus, erklärte Kiefer. Der Bundesliga-Stiftung gehe es aber auch nicht darum, immer höhere Schecks auszustellen, sondern sie will inhaltliche Arbeit leisten und Projekte gestalten. Von den 36 Profiklubs hätten 18 inzwischen sogar eigene Organisationsstrukturen für ihr soziales Engagement geschaffen.

Dazu zählt seit einigen Jahren auch der SC Freiburg, der sein gesellschaftliches Engagement unter dem Motto „Mehr als Fußball“ gebündelt hat. In den Bereichen Bildung, Bewegung, Umwelt und Solidarität gibt es verschiedene Projekte und Förderungen. Der Sport-Club kooperiert dabei mit der Achim-Stocker-Stiftung und dem Förderverein Freiburger Fußballschule, die aus dem Verein heraus gegründet wurden, sowie mit Schulen, Institutionen und Sponsoren.

 

 

 

 

 

 

Für letztere wurde zur Saison 2011/12 ein ganz besonderes Projekt gestartet, in dem sich die Firmen nicht nur finanziell, sondern gleichzeitig auch sozial engagieren können: der Fair-ways-Förderpreis. Der Sport-Club und sein Vermarktungspartner Infront haben dafür inzwischen zehn Partner gewonnen, die teilweise schon Sponsoren beim SC waren: Schleith GmbH, Streck Transport, J. Schneider Elektrotechnik, Kleenoil Panolin AG, J.W. Zander GmbH & Co KG, Neoperl GmbH, Naturenergie, Zitzelsberger Gebäudereinigung GmbH, Franz Morat Group und Das Handwerk. Maximal 15 Partner sollen es insgesamt sein. „Wir haben also noch den einen oder anderen Platz frei“, sagt SC-Marketingleiter Hanno Franke.

Unter der Marke „Fair ways – Wir übernehmen Verantwortung“ werden jedes Jahr gemeinnützige Projekte, Initiativen und Organisationen gefördert. Von 15.000 Euro, die 2012 an fünf Projekte vergeben wurden, stieg das Preisgeld auf 55.000 Euro für 29 Initiativen und Organisationen in der vergangenen Saison. Insgesamt wurden seit dem Start 235.000 Euro ausgeschüttet. „Fair ways ist mittlerweile einer der wichtigsten Sozialpreise in Südbaden“, sagt Franke stolz. Viele Projekte wurden seit dem Start schon mehrfach gefördert. Dazu zählen zum Beispiel das Patenschaftsprojekt „Freiburg miteinander“ für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche, die Drogenberatungsstelle Kisel in Lörrach und Riverside Kostumz in Kehl, bei dem jugendliche Langzeitarbeitslose Oldtimer restaurieren und dadurch wieder in den ersten Arbeitsmarkt integriert werden sollen.
„Wir kommen nicht nur ein Mal mit der Gießkanne vorbei und ziehen dann weiter“, erklärt Franke. In diesem Jahr habe es sogar eine Rekordbewerberzahl gegeben, die über 100 liegt. Bedingung ist, dass die Antragsteller aus den Bereichen Bildung und Ausbildung, Integration, Klima- und Umweltschutz kommen. Über die Preisträger entscheiden der SC und Infront zusammen mit Vertretern der beteiligten Unternehmen und Experten aus der Sozialszene. „Wir möchten die Popularität des Fußballs nutzen, um Menschen zu unterstützen, die ehrenamtlich für andere da sind“, sagt SC-Präsident Fritz Keller.
Der Verein und seine Fair-ways-Partner sind im regelmäßigen Austausch, erzählt Franke. Drei bis vier gemeinsame Sitzungen gibt es im Jahr. „Unser Ziel ist es, den Fördertopf noch zu erhöhen.“ Die Partner dürfen das Fair-ways-Logo nutzen, werden Teil eines Imagefilms, der im Stadion gezeigt wird und von den Firmen intern genutzt werden kann, und sie können einmal im Jahr Besuch von einem SC-Profi bekommen, zu einem Repräsentationstermin oder einer Autogrammstunde. Für die Unternehmen steht aber das gesellschaftliche Engagement im Vordergrund, wie sie betonen. Das Konzept von Fair ways entspreche der Philosophie bei der Schleith GmbH, betont zum Beispiel Geschäftsführer Claus Schleith. Und im Gegensatz zu einem konventionellen Sponsoring biete es „die Möglichkeit, uns selbst mit einzubringen und zusammen mit dem SC Freiburg und anderen mittelständischen Unternehmen der Region etwas zu bewegen“.

Auch Dominik Schleer, Assistent der Geschäftsleitung bei der Freiburger Niederlassung des Elektrotechnik-Großhändlers Zander, findet, dass das Fair-ways-Konzept durch sein „nachhaltiges Sponsoring“ etwas „wirklich Einzigartiges in Südbaden“ bietet.
Kürzlich gab es auch wieder einen direkten Austausch im Bereich Ausbildung: Beim zweiten Fair-ways-Azubi-Tag waren Auszubildende der Partnerunternehmen in der Freiburger Fußballschule zu Gast und kamen dabei untereinander und mit Nachwuchsspielern des SC ins Gespräch. Außerdem hat ihnen Tobias Rauber, der Leiter der Abteilung „Gesellschaftliches Engagement“ beim SC, das beachtliche Paket vorgestellt, das den Verein neben dem Profifußball ausmacht.

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