Stromerzeuger: Smarter unterwegs

Beim weiteren Wandel der Energiebranche wird die Mobilität eine zentrale Rolle spielen. Die Unternehmen in Südbaden sind auf den steigenden Verbrauch von Elektrofahrzeugen eingestellt.

Von Rudi Raschke und Anna-Lena Gröner

Vor genau zwei Jahren waren es vor allem smarthome-Ideen, die der Freiburger Energiediensleister „badenova“ für sein Portfolio für zeitgemäß hielt. Im Gespräch mit netzwerk südbaden sagte der Vorstandsvorsitzende Thorsten Radensleben damals: „(…) Das gehört ebenfalls zur Digitalisierung: dass jeder mit seinen Fähigkeiten los läuft und sie auf irgendwelchen Plattformen einbringt und kooperiert.“

Radensleben bezog dies auf die Möglichkeiten, die sich für einen Freiburger Stromanbieter auf ganz unterschiedliche Weise bieten, egal ob er künftig mit Herstellern „weißer Ware“ wie Waschmaschinen oder Kühlschränken in Mediamärkten kooperiert. Oder sich bundesweit an digitalen Vertriebsmodellen wie „Sparstrom“ mit einem Onlinehändler beteiligt.

Inzwischen will das Unternehmen diese Fähigkeiten auch im öffentlichen Raum einbringen – besonders wenn es um die Mobilität der Zukunft geht. Das Unternehmen geht mit zahlreichen Angeboten und einer neuen Einheit im Bereich „Smart City und Smart Business“ an den Start. Deren Leiter ist Robin Grey, der neue, in der Regel durch digitale Vernetzung geprägte Geschäftsmodelle entwickelt.

Dabei geht es analog zur Stromerzeugung unter Klimaschutz-Aspekten darum, wie eine Kommune sich ressourcenschonend und effizient aufstellen kann. Für Grey ist das Teil einer mehrstufigen „Versorgungs-Kaskade“ von der CO2-Einsparung zur digitalen Kommune zur Mobilitätsoptimierung. Dreh- und Angelpunkt der Konzepte sind digitale Daten rund um kommunale Infrastruktur.

Die Vorstellung der badenova: Als verlässlicher Energiedienstleister kann sie für Kommunen zahlreiche Dienste auch mit Blick auf den Datenschutz im Sinne einer „vertrauenswürdigen Drehscheibe“ (Radensleben) organisieren. Dabei sollen auch Sensoren im LoRa-Netzwerk zum Einsatz kommen, die beispielsweise Daten zu freiem Parkraum, den Standorten von Beschilderungsmaterial, Messstände von Abwasser oder Altglas und Plätze an Ladestationen über ein einfaches Netz schnell melden und zur Verfügung stellen können.

Erheben, Transport und Analyse digitaler Daten ist ein Modell, mit dem die badenova um Kunden bei Kommunen wirbt. Ein weiteres ist die Mobilitätsoptimierung für Arbeitgeber und Privatleute: Dazu zählt auch die Idee sogenannter Logistikhubs (also Umschlagpunkte oder Knoten), die als Packstation oder Sharing-Point für kleine E-Fahrzeuge denkbar sind. Erstere wären ein Service an bestell-affines Personal, um die Innenstädte zu entlasten. Zweiteres würde helfen, die vielzitierte „letzte Meile“ in der Mobilitätskette zu schließen.

 

netzwerk südbaden

Solares fürs Heim und das Elektrofahrzeug noch dazu: Langfristig ein Thema für Energiedienstleister der Region. Foto: badenova

Robin Grey muss nur aus seinem Bürofenster auf die Tullastraße deuten, wenn er sagt: „Gerade in Industriegebieten gibt es zahlreiche Möglichkeiten für vernetzte Lösungen.“ Zur Entlastung fürs Klima gehört aber auch die E-Mobilität: Die badenova ist in zweifacher Hinsicht gefragt – sie ist Netzbetreiber, der Anfragn zum Netzanschluss bearbeitet, aber auch Energiedienstleister für die Ladeinfrastruktur von Kunden. Grey sagt, dass das Unternehmen erkannt habe, dass 85 Prozent der Ladevorgänge von Elektroautos an privaten oder halb-öffentlichen Stationen stattfinden. Sprich: zuhause und bei der Arbeit.

Die öffentliche Stromzapfsäule, beispielsweise auf Parkplätzen wie am Landratsamt, wird erst mit steigender Nutzung zum Geschäftsmodell. Und natürlich wird bei den Stromversorgern langfristig eine Zusammenführung der Themen „Energieverbrauch für Mobilität“ und „eigene Energieerzeugung“ rund ums Wohnen erwünscht sein. Dafür steht die badenova ebenso in den Startlöchern wie die Laufenburger Energiedienst AG, die gerade eine junge Marke namens „eva grün“ etablieren will, mit der der Strom vom heimischen Balkon direkt zum Aufladen in der Garage verwendet wird. Wie schaut es um die Energie in anderen Teilen Südbadens aus?

In der Ortenau ist das E-Werk Mittelbaden der größte Anbieter von Ladestationen, sowohl im privaten als auch im öffentlichen Bereich. 2012 ging der Energiedienstleister mit seiner ersten Säule an den Start, inzwischen sind es 30 in der Region. „Die Einfachheit beim Laden ist sehr wichtig. Anfangs waren E-Auto-Fahrer noch mit einer Vielzahl verschiedener Ladekarten unterwegs. Inzwischen gibt es so genannte Roaming- Systeme, bei denen wir schon 2015 aufgesprungen sind und die für den Verbraucher vieles vereinfachen“, sagt Michael Mathuni, von der Elektrizitätswerk Mittelbaden AG & Co. KG.

Aber auch wenn ein Kunde ad-hoc laden möchte, kann er die Station entweder über eine Smartphone- App oder einen QR-Code an der Ladesäule mit seinem Handy freischalten. Noch zahlen die Kunden an solchen E-Zapfsäulen nach Zeit, doch auch das wird sich schon bald ändern. „An der Umstellung von einer Zeitabrechnung zu einer Kilowattstunden- Abrechnung sind wir aktuell dran“, sagt Mathuni. Das würde später einen genaueren und somit faireren Preis ermöglichen. Beim konventionellen Kraftstoff zahle man schließlich auch pro Liter und nicht pro Minute.

Der Mobilitätswandel bringt neben veränderten Schlüsselrohstoffen, Tankgewohnheiten und -orten auch neue, interessante Geschäftsfelder mit sich. Plötzlich kommunizieren und profitieren Branchen miteinander, die vorher eher wenige gemeinsame Verknüpfungspunkte hatten: beispielsweise Elektrizitätswerke und Autohäuser. „Wir haben bereits eine Kooperation mit einer regionalen Autohausgruppe“, sagt Michael Mathuni vom E-Werk Mittelbaden. „Wenn ein Kunde dort ein E-Auto kauft, wird der Kontakt zu uns hergestellt.“

Robin Grey von der badenova sagt, dass sowohl die Fahrzeughersteller als auch die Hersteller von Ladeeinrichtungen sinnvolle Kooperations-Partner sind. Man wolle die gesamte Produktpalette E-Mobilität für Geschäfts- und Privatkunden „breiter und deutlich offensiver aufstellen“. Dazu gehören angesichts einer Verdopplung der Ladevorgänge in kurzen Zeiträumen dann aber auch Technologien, mit denen verhindert wird, dass in ganzen Straßenzügen die Lichter aus-, wenn die E-Fahrzeuge nach Feierabend kollektiv ans Netz gehen. Zu den Anforderungen der Energieunternehmen gehört es auch, die Lasten so zu verteilen, dass die Nacht besser genutzt wird. Die badenova entwickelt die entsprechende „smart grid“-Technik gerade mit der Stadtverwaltung von Freiburg weiter. Dort sammelt sich abends eine ganze Flotte von E-Fahrzeugen an den Rathaus- Ladegeräten.