VdU: Ihren Weg gefunden

Im Familienunternehmen zu arbeiten ist das eine. Als Co-Geschäftsführerin neben Vater und mit Ehemann die Geschicke für 60 Angestellte zu leiten, das andere. Oder in diesem Fall: Der Arbeitsalltag von Carmen Kopfmann-Gerwig von Kopfmann Elektrotechnik in Teningen.

Von Daniel Ruda

Dass es bei Kopfmann Elektrotechnik familiär zugeht, ist schon bei der Begrüßung zu erleben, wenn die Geschäftsführerin Carmen Kopfmann-Gerwig versucht, ihre beiden neugierigen Hunde im Zaum zu halten. Der Blick auf die Strukturen des in seinen 26 Jahren stetig gewachsenen mittelständischen Betriebs in Teningen nahe Emmendingen zeigt es viel deutlicher: Neben Vater und Firmengründer Reinhold Kopfmann ist die Tochter seit rund drei Jahren zweite Geschäftsführerin und in ihrer Rolle verantwortlich für alle betriebswirtschaftlichen Abläufe.

Ihr Ehemann Stefan ist Prokurist und Projektleiter, die beiden lernten sich bei der Arbeit kennen. 60 Mitarbeiter zählt das Unternehmen, das einen Jahresumsatz von rund sechs Millionen Euro erwirtschaftet – Tendenz steigend. „Wir stehen absolut gesund da“, erklärt Kopfmann- Gerwig im Gespräch in einem Konferenzraum. Die Firma übernimmt für ihre Stammkunden aus dem Industriebereich das Feld der Elektrotechnik in neuen und alten Gebäuden.

Das geht vom einfachen Lichtschalter bis hin zur intelligenten Gebäudetechnik, mit der am Display wahlweise die Temperatur im ganzen Haus geregelt werden kann oder irgendein Rolltor geöffnet und der Bereich per Kamera eingesehen werden kann. Dass der Arbeitsalltag in einem Familienunternehmen dieser Größe bei aller erwartbaren Harmonie indes viele Herausforderungen birgt, legt Carmen Kopfmann-Gerwig schnell und ehrlich offen. „Das bringt noch mal ganz eigene Konflikte an die Oberfläche, die es zu lösen gilt, weil man ja auf einmal nicht nur die Rollen Vater und Tochter hat, sondern der Aspekt der Zusammenarbeit hinzukommt.“

Da gebe es eben mal Meinungsverschiedenheiten und schwierige unternehmerische Phasen zu meistern. „Ich bin froh und dankbar, dass mein Vater und ich einen guten Weg gefunden haben, respektvoll und verständnisvoll miteinander umzugehen und auch in Konfliktsituationen immer wieder zusammengefunden haben“, sagt sie. Ähnlich verhält sich die Situation mit ihrem Ehemann. „Das empfinde ich als großen Segen für unsere Familie und unser Unternehmen. Ich weiß, dass so etwas bei vielen anderen leider nicht so gut funktioniert.“

Anfängliche Skepsis gegenüber der Tochter vom Chef

Als kleines Mädchen wollte sie eigentlich Tierärztin werden, die Verbindung zum Familienunternehmen, mit dem sie aufwuchs („viele Mitarbeiter kennen mich noch als junges Mädchen“), führte sie aber letztlich zu einem BWL-Studium, das sie nach ihrem Abitur an einem Freiburger Wirtschaftsgymnasium und einem halben Jahr Travel-and-Work in Australien an der Dualen Hochschule in Lörrach begann.

Den Praxisteil absolvierte sie bei einem Elektrogroßhändler. „Spätestens da war klar, dass ich mal in unser Familienunternehmen stoßen werde.“ 2010 war es so weit, in der Anfangszeit habe „die Tochter vom Chef“ bei manchen Mitarbeitern schon Skepsis ausgelöst, erinnert sie sich. Sie versuchte, ihren eigenen Weg zu finden, was nicht unbedingt einfach war. Sie fand ihn. Über einen Satz eines – von vielen – langjährigen Mitarbeiters ist sie dabei sehr glücklich.

„Schön, dass du nicht versuchst, die Fußstapfen deines Vaters zu füllen, sondern deine eigenen kreierst“, lautete dieser. Der Vater ist und bleibt indes ihr Vorbild: „Er ist für die Mitarbeiter ein Chef mit Herz, und in Krisensituationen bewahrt er kühlen Kopf“. Ehrliche und aufrichtige Sätze und Gespräche sind auch das, was die Tierliebhaberin, die am liebsten mit einem ihrer Pferde in der Natur unterwegs ist, an den regelmäßigen Treffen im Verband deutscher Unternehmerinnen (VdU) schätzt.

„Der Austausch mit anderen Unternehmerinnen findet auch auf emotionaler Ebene statt“, so Kopfmann-Gerwig, da sie dort Frauen treffe, die in einer ähnlichen Situation sind und zum Beispiel auch mit Vater oder Ehemann zusammenarbeiten. Beides, wie es bei ihr der Fall ist, ist eine Seltenheit. „Ich hatte mir erhofft, durch den VdU in ein Netzwerk zu kommen, das mir für meine Arbeit helfen kann“, das sei definitiv eingetreten. Auf die Frage nach drei charakterisierenden Schlagworten zum VdU antwortet Carmen Kopfmann-Gerwig: „Austausch, Netzwerk, Freundschaft.“

www.kopfmann.info