VDU Unternehmerinnen: Die Apothekerin vom Holzmarkt

Von außen ist sie vielleicht einer der meistfotografierten Orte Freiburgs, die Holzmarkt-Apotheke: Gern von jungen Menschen genutzt, wenn es darum geht, Freunden oder Verwandten im Norden Deutschlands ein Beweisbild zu senden, dass es in Freiburg schon wieder 20 Grad zu Heiligabend hat. Das weithin sichtbare Digitalthermometer ist seit eh und je ein Markenzeichen des Hauses.

Suzanne Sennecke-Bölch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Suzanne Sennecke-Bölch

Im Inneren war es ein wenig unansehnlicher und auch nicht allzu erwärmend, als Suzanne Sennecke-Bölch die Apotheke im Jahr 2002 übernahm und zur Unternehmerin wurde: Sie selbst war zuvor als einzige Angestellte übrig, die Ladenfläche wenig modern, die umliegenden Institutionen wie Pflegeheime und Ärzte nicht gerade begeistert von der Zusammenarbeit mit dem Vorbesitzer. Zunächst wollte keine Bank einen Kredit für die Übernahme geben. „Es war ein extrem schwerer Weg“, sagt die Pharmazeutin. Heute, 13 Jahre später, hat Sennecke-Bölch die Mitarbeiterzahl verzehnfacht.

Mit Investitionen in Technik und IT, einem generalüberholten Raum vor und hinter dem Verkaufstresen und einem guten Konzept zur Kundenbindung, bei der sie als eine der ersten in Freiburg auf das Interesse an Medizinthemen setzte und regelmäßig Publikumsvorträge und Aktionen veranstaltete. Und ein wenig hat auch der Verband der Unternehmerinnen VdU daran Anteil. Denn auch wenn sehr viele Frauen Berufe in Apotheken- Betrieben ausüben, lag der Anteil der Betreiberinnen damals bei bundesweit gerade 20 Prozent (heute sind bereits 40 Prozent der Chefs Frauen). Die umtriebige Christa Porten-Wollersheim bewegte sie zum Eintritt in den VdU, was für Sennecke-Bölch gerade in der damaligen Zeit Aufwand bedeutete, jedoch einen, der sich lohnte.

Nicht immer war es einfach, die mehrstündigen Vortrags-Lunches der Unternehmer- Frauen mit dem zeitgleichen Aufbau des eigenen Betriebs in Einklang zu kriegen, aber es entwickelte sich ein lebendiger Austausch, bei dem neben dem Kennenlernen anderer Unternehmerinnen auch ein „sich Wiederfinden“ mit allgemeinen Problemstellungen, „Anstöße, Eindrücke und ein Aufgefangensein“ bis heute anhalten. Die Erfahrung, was in anderen Betrieben in Freiburg läuft, war für Sennecke-Bölch ebenso wichtig wie die Begegnungen mit Persönlichkeiten wie Martina Feierling- Rombach, die Sennecke-Bölch als positiv „schillernd“ und immer nachhaltig denkend kennengelernt hat. Hinzu kamen Treffen mit durchsetzungsstarken männlichen Unternehmern wie Fritz Keller, Weingut- , Restaurant- und Profivereins- Chef, der die VdU-Frauen mit seinen Betriebe beeindruckte.

Führen Frauen überhaupt anders? Es gibt kein kategorisches „Na klar“, kein eindeutiges „Ja“ von Suzanne Sennecke-Bölch auf diese Frage, sondern: es sei sicher ein „anderer Führungsstil“, sagt sie leise und lächelt, „Männer bedenken nicht so umfassend die Auswirkungen ihrer Entscheidungen“, Frauen dagegen seien vielleicht abwägender, auch aufgrund der Sozialisation. Sie selbst sei jedenfalls nicht kompromisslos, als Unternehmerin habe sie jedoch lernen müssen, dass ein gewisser Anspruch sich weder mit allgemeinen Eiertänzen noch mit bloßer Selbstausbeutung verwirklichen lasse. Ihre Herausforderungen als Arbeitgeberin sieht sie darin, dass immer jüngere Absolventen von Unis und Berufsschulen kommen, die nicht mehr so gebunden an Ort und Unternehmen sind wie einst.

Sennecke-Bölch muss daher „schauen, dass man ein interessanter Arbeitgeber ist“, obendrein ist das Berufsbild der PTA schwer zu besetzen, weil Aufwand und Entlohnung der Auszubildenden bis vor kurzem nicht im besten Verhältnis standen – die Integration von Fachpersonal aus dem Ausland, am Holzmarkt ist es eine Apothekerin aus Kolumbien, kommt deshalb als Aufgabe hinzu. Zur Apotheke kam die in Kanada geborene Sennecke-Bölch, deren deutsche Eltern selbst Auswanderer waren, übrigens nicht auf einem deutlich vorgezeichneten Weg: Die Liebe zog sie 1985 nach Freiburg, ihr Mann ist Mediziner, sie wollte weder das gleiche Fach kennenlernen noch die Geisteswissenschaften weiter betreiben und schrieb sich mit 30 Jahren für das Studium der Pharmazie ein. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Familie bereits ihre zwei Kinder und Sennecke-Bölch ein zeitintensives Studium vor sich: „Fragen Sie mich nicht, wie ich das alles geschafft habe, aber es ging“ sagt sie mit einnehmendem Lachen.

Erst als 30-Jährige begann sie mit dem Pharmaziestudium

Dem Umzug von Toronto nach Freiburg folgte nach einem kurzen Kulturschock („Toronto war damals das Sprungbrett nach New York für Talente aus Film, Musik und Kunst“) durchaus ein Eintauchen ins südbadische Gefühl, Sennecke-Bölch sagt, wie sehr sie inzwischen das Umland Freiburgs schätzt und „wie sehr die Leute hier für den Genuss leben“.Nicht nur im historischen Haus am Holzmarkt,auch im Beruf der Apotheken-Inhaberin hat sie ihre Heimat gefunden, das hört jeder, der mit ihr über den Weg des historischen Lagerungsorts für Medikamente bis zur heutigen Anlaufstelle für gesundheitliche Nöte spricht.

Auch in Zeiten, da die Ladenräume durch gesunde Kosmetik und Wohlfühlartikel geprägt seien, sei die Verfügbarkeit und Bevorratung von Medizin immer noch das allerwichtigste an der Apotheke – mit der Liefer-Schnelligkeit und Beratung könne bis heute kein Internet- Tablettenhandel mithalten, sagt sie. Im Inneren der fotogenen Fassade haben sich unter ihrer Leitung nunmehr wichtigere Markenzeichen entwickelt, die die Unternehmerin Suzanne Sennecke-Bölch an jüngere Selbstständige weitervermitteln kann: Beratungsqualität, Service, Mitarbeiter- und Kundenzufriedenheit. Und ein unübersehbarer Spaß an der Arbeit.

Erschienen in der Ausgabe vom 02/16