Mittagstisch: Mehr als kreative Landküche

In die Kirchzartener Sonne kehren in der Ortsmitte die lokale Geschäftswelt, Touristen und Ruheständler ein. Entsprechend vielfältig ist die Mittagskarte – aber nicht beliebig.

Von Rudi Raschke

Das Dreisamtal: nicht flächendeckend ein Ort für gehobene Küche, aber durchaus ein Ort gastronomischer Reize, das hat kürzlich auch der Guide Michelin für die Kirchzartener Ortsmitte festgestellt: Die Sonne, in siebter Generation von der Familie Rombach geführt und 299 Jahre alt, hat sich erstmals einen „BiB Gourmand“ gesichert. Das ist, wenn man so will, eine sanfte Auszeichnung, die nicht ganz den Ballast eines Sterns heran schleppt.

Weil sie ein preiswertes Menü für maximal 37 Euro auszeichnet, das „sorgfältig zubereitet“ und bestenfalls ohne altbürgerliche Schwere daher kommt. Sorgfältig präsentiert sich die Sonne in Kirchzarten insgesamt. Das Haus hat wenig gemein mit vergleichbaren Herbergen in der Freiburger Stadtmitte, sondern ist ein Gastbetrieb auf der Höhe der Zeit. Suiten und Zimmer sind mit mehr oder weniger Schwarzwaldpop, aber eben auch Traditionsmobiliar aus der Region ausgestattet, dank eines in dieser Größenordnung nicht selbstverständlichen Wellness-Bereichs sind dadurch auch Preise um 130 Euro im Doppelzimmer möglich, die Sonne kann sich da selbstbewusst präsentieren.

netzwerk südbaden

Alte Stube mit modernem Flair. Foto: A. Maier

In der Gaststube geht es ebenso traditionell-modern zu, ein Nebenzimmer, das auch Frühstücksraum ist, glänzt mit angesagten Polsterstühlen in blau, in der alten Stube knarzt der Dielenboden unter Schwarzwald-Accesoires und pinkfarbenen Stoff-Akzenten. Dazu passt die Karte des Küchenchefs Alex Kolodziej, der ebenfalls alt und neu, Regionalität und weite Welt auf den Herd bringt. Und das zu beachtlichen Preisen beim Mittagstisch – für 10,50 Euro gibt es zwei Gänge, wochentags von Montag bis Donnerstag (der Freitagmittag ist Ruhetag, deshalb ist bereits der Tag zuvor meist der mit Fisch).

Zum Auftakt gibt es Salat oder Suppe, die an manchen Tagen auch etwas exotischer ausfällt: als Yamswurzel- oder Erbsen-Minze-Suppe. Die Hauptgänge sind klassische Ragouts, Quiches oder Maultaschen, auch ein Rumpsteak kann dabei sein. Zum konkurrenzlosen Preis gehören mal einheimische, mal etwas weiter gereiste Sättigungsbeilagen zwischen Kartoffelbrei und Couscous. Das alles wird ergänzt durch eine für einen Mittagstisch recht ausführliche Klassiker-Karte vom Schnitzel über ein feines Ochsenfleisch bis zum Hirschkalbsrücken.

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Ausflüge ins Asiatische mischen sich dazwischen, es gibt als „Wochenspecial“ mal ein Tandoori-Huhn, auch Gerichte mit Kokos und Curry gelingen in der Sonne souverän und verlangen keine übertriebene Experimentierfreude ab. Ein bisschen eingrooven kann sich das Nebeneinander von Tafelspitz und Tofu noch, aber die Karte passt eben auch ganz gut zum Chef: Der Inhaber Andreas Rombach, der mit seiner Frau Franziska die Sonne betreibt, ist hierher 2007 zurück gekehrt, davor war er für Hotels der Hyatt-Kette in Köln, Sydney und Zürich tätig.

Dass er nicht ausschließlich Brägele und „Sunnewirt“-Folklore anbietet, versteht sich von selbst. Zur Vielfalt gehört auch, dass das Angebot am Mittag eben das spiegelt, was ein Haus im Zentrum an Gästevielfalt abdeckt: Einheimische Geschäftsleute, die zeitunglesend mit einem Elsässer vor der Sonne in selbiger sitzen, Touristen, die etwas von den „Naturparkwirten“ Empfohlenes bestellen und eben auch lokale Ruheständler, die eher vespern als powerlunchen. Die Sonne bietet für alle eine gute, ideenreiche Küche zu mehr als angemessenen Preisen. Und sie muss ihre Zutaten nicht verstecken – in der Speisekarte findet sich transparent gelistet, welche qualitätsbewussten Regional-Anbieter Käse, Nudeln oder Forellen hierher liefern. Auch das ist nicht in jeder Stube hierzulande selbstverständlich.

 

Hotel & Restaurant Sonne
Hauptstraße 28, Kirchzarten
Tel: 07661 901990

www.sonne-kirchzarten.de