Mittagstisch: Weniger braucht mehr

Freiburgs Unterwiehre hat eine neue Gastronomie. Im ehemaligen Restaurant Mondo, in der Johann-von Weerth-Straße, werden seit wenigen Wochen im „Johann“ regionale Speisen serviert. Zeit zum Platz nehmen.

Von Anna-Lena Gröner

Beim Betreten steigt einem direkt der Duft des Neuen in die Nase: ein Mix aus Farbe und Holz. Fürs Auge bietet sich eine Mischung aus Industrieschick und gemütlicher Detailverliebtheit. Dunkle Rohre und große Hängeleuchten an der Decke, dazu frische Schnittblumen in kleinen Glasvasen auf jeder Naturholztischplatte. Kein Schnickschnack. Kleiner Ausreißer im sonst sehr stimmigen Ambiente, neben Designerlampen und wertigem Mobiliar: ein Ikea-Garderobenständer am Eingang.

Trotzdem, das Restaurant und Café „Johann“ in der Johann-von-Weerth-Straße, das seit Mitte November geöffnet hat, ist eine willkommene Abwechslung zur „Hauptsache urig“ Eckkneipen-Gastronomie. Und auch die Karte ist trotz durchaus bekannter Stammtisch-Gerichte optisch wie inhaltlich gelungen: ein wertiges, gebundenes A5- Querformat, statt unhandlichem Büro-Klemmbrett mit losen A4-Ausdrucken. Überschaubare, durch Qualität überzeugende Speisen mit Zutaten aus der Region, statt einmal-um-die-Welt-Küche.

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In seiner Einfachheit so gut: Die Lasagne im „Johann“. Fotos: A. Maier

Kalbs- und Schweine-Schnitzel mit Brägele und Salat, geschmorte Kalbsbäckle mit glasiertem Wirsing und Selleriepuree, Entrecôte vom Black Angus Rind mit Wurzelgemüse und Kartoffelstampf oder Lachs mit Fenchelsalat und Safranpolenta. Die Lieferanten der Johann-Küche stehen für Qualität: Das Gemüse kommt vom Bio-Großhändler Rinklin und Schuchardt Naturkost Freiburg. Das Fleisch vom Geflügelhof Dürr und Mager in Grafenhausen und der Metzgerei Kaltenbach in Schallstadt.

Frischen Fisch gibt’s über die Südfisch GmbH und das Brot wird selbst hergestellt oder von der benachbarten Bäckerei Lay bezogen. Von dieser Einkaufsliste kann sich manch gehobene Küche eine Scheibe abschneiden. Die Gerichte auf der Abendkarte liegen preislich zwischen 17 und 26 Euro. Mittags wechselt das Angebot zwischen zwei bis drei Gerichten, vegetarisch und mit Fleisch, zwischen acht und 12 Euro. Für die Lasagne mit Hackfleisch, vorweg ein kleiner grüner Salat und hinterher einen Espresso werden faire 9,50 Euro fällig.

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Das auffällig junge Servicepersonal macht einen guten Job.

Auch auf dem Teller verzichtet man im Johann auf viel Schischi. Der Salat ist grün, Punkt. Das Dressing fein abgestimmt. Zur Lasagne gibt es nicht das obligatorische Viertele Tomate, das einsam am Tellerrand liegt, dafür gehackte Petersilie darüber. In jedem Fall ist das italienische Schichtgericht in seiner Einfachheit so gut, dass am Ende gerne mehr auf dem Teller hätte sein dürfen. Noch ein Nachtisch. Doch leider ist der eher das, was der Ikea-Garderobenständer bei der Einrichtung ist – irgendwie fehl am Platz.

Das Tiramisu wird in einer Martini Schale serviert, was bis auf den italienischen Background beider Produkte einfach nicht zusammenpasst. Das daraus-Löffeln fällt schwer. Statt weicher Löffelbiskuit in Mascarpone-Creme, Mascarpone mit ein wenig Amarettinikeksen darunter. Statt Nachtisch wäre mehr Lasagne wünschenswert gewesen – bei den Hauptspeisen scheint die Küche alles richtig zu machen.

Johann – Restaurant und Café
Johann-von-Weerth-Straße 9
79100 Freiburg
Tel: +49 (0) 761 40198270

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Freitag: 11.30 – 24.00 Uhr,
Samstag: 17 – 24 Uhr
Sonntag und Montag Ruhetag