Mittagstisch: Mit Rhein- und Weitblick

Eine ordentliche Adresse für den Lunch in Basels Stadtmitte – das Hotel-Restaurant Krafft am Rhein lockt als Gesamtpaket.

Von Rudi Raschke

In Basel Essengehen – das kommt für viele Südbadener der Auflösung einer Lebensversicherung gleich. Leicht macht es einem der Frankenkurs tatsächlich nicht, hinzu kommt eine Preisgestaltung, die selbst alternative Beizen mit dem mittleren Segment in Südbaden gleichstellt. Und natürlich jene Arrangements in der Top-Klasse, die am Rhein naturgemäß höher angesiedelt ist als in Freiburg: Teesalons und Türwärter in Häusern wie dem Les Trois Rois sind gefühlt näher an London dran als an lower Freiburg.

Trotzdem gibt es ein angenehmes Haus am Rheinufer, bei dem sich eine Einkehr zum Lunch anpeilen lässt: Das Hotel Krafft auf der Kleinbasler Seite gehört zur guten Mittelklasse, die Karte ist preislich wie inhaltlich angenehm temperiert, es geht raffiniert und stilsicher zu. Zur Krafft-Gruppe zählen auch familiäre Design-Hotels wie das Hotel Greulich in Zürich.

Oder das Nomad in Basel, ein wunderschöner Bau der nächsten hiesigen Architektur-Sterne, Buchner Bründler Architekten. Das Hotel Krafft ist ein alter Bau von 1872 (48 Zimmer), der zeitlos mit Mobiliar der klassischen Moderne renoviert wurde. Unterm Leuchter schweifen Blick und Geist aus hohen Rundbogen- Fenstern im Restaurant auf den Rhein. Zu Gast in einer anderen Welt, es geht international zu bei den Bürogemeinschaften an den Nebentischen, teilweise auch Baslerdütsche Originale, die Weltläufigkeit des Rheinufers ist ebenso zu genießen wie ein verlässliches Menü: Ein Feldsalat, wenn auch mit weißer Salatsoße, zum Auftakt, ein ausgiebig geschmortes Rehragout mit Rotkraut und Spätzle als Hauptgang, an dem es wenig auszusetzen gibt.

Für nicht so große Freunde des Deftigen finden sich auch leichte Pasta-Gänge auf der Karte. Der Küchenchef ist aus der Schweiz, orientiert sich aber beim Bezug von Fisch und Wild durchaus auch im Schwarzwald zwischen Schluchsee und Bernau. Sollten Gesellschaften den ebenerdigen Restaurantraum geschlossen belegen, findet sich im Kellerbistro Schnoogeloch ebenfalls eine Möglichkeit zum Mittagstisch. Ein wenig enger und ohne Aussicht zwar, trotzdem mit vergleichbarem andere- Welt-Feeling, das Freiburger in Basel angenehm befällt. Kosten übrigens: 29 Franken für zwei Gänge, 27 Franken bei vegetarischer Auswahl.

Für die nicht ganz so Geschäftigen gibt es Wein im offenen Ausschank, auch als Dezi, wer will, kann den Basel-Nachmittag auch in der vom Hotel betriebenen Weinbar consum vis-àvis stilsicher fortsetzen. Noch schöner allerdings: vors Hotel auf der rheinabgewandten Seite treten, rechts raus, durch die herzige Unterführung mit dem swisslos-Kiosk an den Rhein schlendern und sich den Rest des Tags treiben lassen. Zum Beispiel mit der Rheinfähre Richtung Münster, wo neben dem liturgischem auch literarischer Genuss möglich ist: In der Lesegesellschaft, einer ziemlich lässigen Ledersessel-Parkett-Institution, die wenig mit dem Pfarrsaal-Mobiliar der Freiburger Stadtbücherei gemeinsam hat, lassen sich Zeitungen, Journale und Bücher studieren und ganz trefflich reflektieren. Rhein- und Weitblick inklusive.

Hotel-Restaurant Krafft
Rheingasse 12, Basel
Tel: +041 61 690 91 30
www.krafftbasel.ch

Lesegesellschaft
(Mitgliedschaft für einen Monat, halbjährlich oder jährlich möglich), Münsterplatz 8, Basel
www.lesegesellschaft-basel.ch